Pressearchiv BVA 2001

Trotz "Vorsorgeuntersuchung" blind ?

Düsseldorf, 10.01.01 - Augenärzte warnen vor gefährlichen Präventionsangeboten

Im Mittelpunkt der heute in Berlin stattgefundenen Pressekonferenz des Berufsverband der Augenärzte (BVA) stand das Thema Glaukom ("Grüner Star"), eine der häufigsten durch Vorsorge vermeidbaren Erblindungsursachen und der zweithäufigste Grund für den Bezug des Blindengeldes in Deutschland. Seit Jahren setzt sich der BVA deshalb dafür ein, diese wichtige Vorsorgemaßnahme in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7. August 2000 erlaubt jetzt Augenoptikern, Augeninnendruckmessung und Gesichtsfelduntersuchung durchzuführen. Hierin sehen die Augenärzte eine besondere Gefahr für den unaufgeklärten Patienten, da nachweislich 50% aller Glaukome allein mit diesen Methoden übersehen und die Menschen in trügerische Sicherheit gewiegt werden.

Verwirrendes Präventionsangebot gefährdet Augenlicht

Wie der BVA heute betonte, ist eine zuverlässige Glaukom-Früherkennung nur gewährleistet durch eine Kombination aus Augendruckmessung und einer sachgerechten fachärztlichen Untersuchung des Sehnervs. Bei einem Screening auf Glaukom mit einer alleinigen Druckmessung werden zum einen fälschlicherweise Ängste geschürt, zum anderen bereits Erkrankte in falscher Sicherheit gewiegt. Bei ca. 60-96% der Probanden, die einen erhöhten Augendruck im Screening aufweisen, liegt nach Untersuchung des Sehnervs gar kein Glaukom vor, während rund 50% der an Glaukom Erkrankten beim Screening keinen erhöhten Augendruck aufweisen und somit nicht als krank erkannt werden. Eine der häufigsten Erblindungsursachen in Deutschland bliebe bei diesem insuffizienten Screening somit unerkannt.

Doppeluntersuchung als Kostentreiber im Gesundheitswesen?

Besonders scharf kritisierte Dr. Uwe Kraffel, erster Vorsitzender des BVA ein vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) in Auftrag gegebenes Gutachten. "Das von Prof. Jürgen Wasem durchgeführte ZVA-Auftragswerk kommt fälschlicherweise zu dem Schluss, dass sich die Augentests der Optiker gesundheitsökonomisch rechnen", so Dr. Kraffel. "Die Notwendigkeit, alle Augentests der Optiker durch eine fachärztlich fundierte Untersuchung zu ergänzen, um gesicherte Ergebnisse zu erhalten, treibt die Kosten im Gesundheitswesen durch Doppeluntersuchung in die Höhe statt sie zu senken". Prof.Dr. Fritz Dannheim, Vorstandsmitglied des "Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung", forderte deshalb abschließend, dass der Optiker seine Meisterschaft in der Beschränkung auf sein Handwerk unter Beweis stelle.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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