Pressearchiv BVA 2000

Gefahr auf der Piste: Sonnenbrand der Augen beim Wintersport

Düsseldorf, 21.12.2000 - Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands warnt zu Beginn der Wintersportsaison vor irreparablen Schäden für ungeschützte Augen

Mit den ersten Schneeflocken startet alljährlich die Wintersportsaison. Die Sonnencreme mit dem hohen Lichtschutzfaktor ist eingepackt, doch an den Schutz der Augen vor dem grellen UV-Licht wird meist nur unzureichend gedacht. Dabei kann die aggressive UV-Strahlung den Stoffwechsel der Körperzellen verändern und u.a. zum Teil irreparable Hornhaut- und Netzhautschäden hervorrufen. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) hat deshalb heute noch einmal davor gewarnt, die Gefahr der intensiven Sonnenstrahlen für die Augen zu unterschätzen. Die Augenoberfläche aus Hornhaut und Bindehaut kann, wie beim Sonnenbrand der Haut, verbrennen. Die Folgen reichen von kurzfristigen, sehr schmerzhaften Augenentzündungen, die das Skivergnügen vorzeitig beenden, bis hin zu irreparablen Schäden der Netzhaut. Außerdem gefährden Skifahrer, die ihre Augen ungeschützt den blendenden Sonnenstrahlen aussetzen, nicht nur sich, sondern auch andere. Denn wer ständig blinzelt und dadurch schlecht sieht, wird zum Unfallrisiko auf der Piste.

Wenn die Augen "schnee-erblinden"

Bei intensiver Sonnenstrahlung reflektiert der Schnee noch zusätzlich die ultraviolette Strahlung, so dass ungeschützte Augen zeitweilig "erblinden" können. Insbesondere die kürzerwellige und energiereiche UV-B-Strahlung lässt Zellen der Hornhautoberfläche absterben, wodurch die darunter offen liegenden Nervenenden sensibilisiert werden und starke Schmerzen auftreten. Typische Symptome der sogenannten Schneeblindheit sind neben den Schmerzen starker Tränenfluss und eine übermäßige Lichtempfindlichkeit. Ähnlich wie in einem Dampfbad wird alles nur noch ganz verschwommen und neblig wahrgenommen. Wird die Schneeblindheit rechtzeitig vom Augenarzt entsprechend behandelt, heilt sie nach zwei bis drei Tagen ab.

Gut geschützte Augen für ein unbeschwertes Skivergnügen

Insbesondere Menschen mit hellen Augen sollten diese bei starker Sonneneinstrahlung besonders schützen. Eine optimale Abstimmung der Filter auf die individuelle Lichtempfindlichkeit des Auges durch den Augenarzt ist hier sehr wichtig, um mögliche Augenschäden zu vermeiden. Menschen mit dunklen Augen sind zwar schon von Natur aus durch mehrfache Schichten von Pigment, die die UV-Strahlung schlechter durchdringen kann, besser geschützt, müssen aber insbesondere im Skiurlaub ebenfalls auf den richtigen Schutz ihrer Augen achten. Sonnenbrillen sollten deshalb gerade im Skiurlaub nicht als modisches Accessoire angesehen werden, sondern als Schutz gegen Augenschäden. Deshalb sollte immer eine Rundumschutzbrille mit Belüftungssystem gewählt werden, da bei offenen Brillen an den Seiten noch bis zu 40% UV-Strahlen eindringen und zu "Verblitzungen" des Auges führen können. Für schwierige Witterungs- und schlechte Sichtverhältnisse sind gelbe Gläser am besten geeignet, da sie bei 60% Abdunkelung den besten Kontrast bieten. Blaues Glas hingegen ist ungeeignet. Es ist darauf zu achten, dass die Filter weder zu hell noch zu dunkel sind. Auch Kontaktlinsenträger sollten auf einen guten Schutz ihrer Augen achten. Im Skiurlaub besteht besonders für weiche Linsen die Gefahr, dass sie herausfallen können, wenn das Auge durch den Fahrtwind austrocknet. Zusätzlich zur guten Schutzbrille sollten die Kontaktlinsen selbst undurchlässig für UV-Strahlen sein.

Optimale Sehschärfe kann viele Skiunfälle verhindern

Viele Skiunfälle resultieren aus einer unzureichenden Sehschärfe. Deshalb rät der BVA, vor dem Skiurlaub neben der individuellen Abstimmung der Sonnenbrillenfilter auch die Sehschärfe beim Augenarzt kontrollieren zu lassen und Brillengläser bzw. Kontaktlinsen gegebenenfalls zu korrigieren. Wie eine gerade veröffentlichte Studie belegt, kann auch ein dynamisches Aufwärmen für den richtigen "Duchblick" sorgen. Gymnastische und Lauf-Übungen unmittelbar vor dem Skilaufen tragen nicht nur dazu bei den Kreislauf zu aktivieren und die Muskeln zu erwärmen, sondern führen auch zu einem besseren Sehen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Aufwärmübungen der genannten Art einen veränderten Zuckerstoffwechsel im Gehirn bewirken, wodurch sowohl die Sehschärfe als auch die Kontrastsehschärfe sich um bis zu 15% verbessert.

"Immer wieder wird die Kombination Sonne und Schnee als große Gefahr für die Augen unterschätzt. Neben der direkten Sonneneinstrahlung reflektiert der Schnee noch einmal bis zu 85% der UV-Strahlung. Zusätzlich zur optimalen Sehschärfe ist ein geeigneter Sonnenschutz für die Augen deshalb unerlässlich, um Augenschäden und Skiunfälle zu vermeiden", so Dr. Dieter Schnell, Leiter der Arbeitsgruppe Sportophthalmologie des BVA. "Sind Schädigungen der Augen bereits aufgetreten, sollte man sofort aus der Sonne gehen und umgehend einen Augenarzt aufsuchen, um mögliche Langzeitschäden weitestgehend zu verhindern."

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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