Pressearchiv BVA 2000

Sind Deutschlands Autofahrer blind ?

Düsseldorf, 30.11.2000 - 300.000 Verkehrsunfälle pro Jahr gehen auf schlechtes Sehen zurück

Augenärzte empfehlen dringend allen Autofahrern einen regelmäßigen, umfassenden Augentest

Ein optimales Sehvermögen ist eine zwingende Voraussetzung für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr - vor allem im Winter, wenn die Sicht ohnehin oft durch schlechte Witterungsverhältnisse beeinträchtigt wird. Deshalb appelliert der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) wie auch das Kuratorium Gutes Sehen jetzt noch einmal an alle Autofahrer, sich eigenverantwortlich einem regelmäßigen TÜV für die Augen zu unterziehen. Die Augenärzte bieten eine Untersuchung an, die neben der zentralen Sehschärfe am Tage und bei Nacht vor allem die verkehrsrelevanten Sehfunktionen wie Blendungsempfindlichkeit, Dämmerungssehschärfe, Kontrastempfindlichkeit, räumliches Sehen sowie Gesichtsfeld und Farbsehen umfasst. Hunderttausende von Unfällen könnten jedes Jahr vermieden werden, viele Todesopfer könnten noch leben, wenn Autofahrer verantwortungsbewußter mit ihrem Augenlicht umgingen. Der Gesetzgeber schreibt nur Inhabern höherer Führerscheinklassen einen regelmäßigen Augentest vor, nicht aber Fahrern von Personenwagen oder Motorrädern.

Freiwilliger TÜV für die Augen

Der Staat schreibt Autofahrern vor, ihre Fahrzeuge in regelmäßigen Abständen dem TÜV vorzustellen. Mindestens so wichtig wie intakte Bremsen, Motor, Licht, Reifen etc. ist jedoch auch das Sehvermögen für die Sicherheit im Straßenverkehr. Deshalb sollten schon jüngere Autofahrer freiwillig alle fünf Jahre ihre Augen hinsichtlich aller verkehrsrelevanten Sehfunktionen checken lassen. Da sich mit zunehmendem Alter langsam und meist unbemerkt Sehmängel einschleichen, empfehlen Augenärzte ab dem 45. Lebensjahr einen umfassenden Augentest im Abstand von zwei Jahren, ab 60 Jahre sogar jedes Jahr.

Auch wer am Tag gut sieht, kann in der Nacht Probleme bekommen

"Bei älteren Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen sind in der Regel alle verkehrsrelevanten Sehfunktionen, insbesondere das Sehvermögen in der Dämmerung und die Blendungsempfindlichkeit betroffen", erläutert Dr. Uwe Kraffel, 1. Vorsitzender des BVA. Schon gesunde Augen werden bei Dunkelheit bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit beansprucht. Auch Menschen, die am Tag keine Sehhilfe benötigen, können beim nächtlichen Sehen Probleme bekommen. Ein regelmäßiger Augencheck ist in diesem Fall besonders wichtig, weil sich das Nacht- und Dämmerungssehvermögen im Gegensatz zur Tagessehschärfe bei jedem Menschen mit den Jahren verringert. Nur wer die Leistungsfähigkeit seiner Augen richtig einschätzen kann, neigt nicht dazu, sich zu überschätzen. Um sich selbst und andere nicht zu gefährden, sollten Menschen, bei denen verringertes Dämmerungssehvermögen festgestellt worden ist, auf das Fahren bei Nacht verzichten. Eine weitere Gefahr für Autofahrer geht von einer erhöhten Blendempfindl ichkeit aus. Wie durch zerkratztes oder verschmutztes Glas nimmt der Betroffene die ihm entgegenkommenden Scheinwerfer wahr. Diese alters- oder krankheitsbedingte Eintrübung der Augen verursacht Streulicht im Auge und vermindert gleichzeitig den Kontrast der Netzhautbilder. In der Folge können Objekte mit mäßigem oder schlechtem Kontrast, wie sie im Straßenverkehr häufig vorkommen, nur noch sehr schlecht wahrgenommen werden. Entsprechende Sehhilfen können die meisten Sehschwächen, ausgenommen das verringerte Dämmerungssehvermögen, korrigieren und die eingeschränkte Fahrtauglichkeit wiederherstellen. Um für sich und andere permanente Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten, sollten deshalb junge wie alte Menschen den regelmäßigen Gang zum Augenarzt nicht scheuen.

Wenn Fahrzeuge scheinbar aus dem Nichts auftauchen

Das Gesichtsfeld umfaßt den für das unbewegte Auge sichtbaren Teil des Raumes. Ist das Gesichtsfeld eines Autofahrers eingeschränkt, werden andere Verkehrsteilnehmer oder Schilder häufig zu spät wahrgenommen oder völlig übersehen, so dass Fahrzeuge plötzlich und scheinbar wie aus dem Nichts auftauchen. Bei Einschränkungen oder Ausfälle des Gesichtsfeldes ist eine individuelle Beratung des Augenarztes nötig, um dem Autofahrer seine Grenzen und Möglichkeiten im Straßenverkehr zu verdeutlichen. Diese Beratung einschließlich der Empfehlungen zu den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen erfolgt unter dem strikten Schutz der ärztlichen Schweigepflicht.

Früherkennung und Vorbeugung bei Augenkrankheiten, die die Sehkraft vermindern

Auch die Früherkennung von Augenkrankheiten, die die Sehkraft dauerhaft vermindern, sollte in den Mittelpunkt des umfangreichen Augenchecks rücken. Häufig sind die Symptome schwer zu erkennen, so dass sie von den Betroffenen in der Regel nicht oder erst zu spät bemerkt werden. Sicherheit können hier nur gezielte Vorsorgeuntersuchungen geben. Das gilt vor allem für das Glaukom, den sogenannten Grünen Star. Eine regelmäßige Glaukomfrüherkennungsuntersuchung einschließlich einer Untersuchung des Sehnervs, die erste Hinweise auf ein Glaukom gibt, könnte häufig massiven und dauerhaften Schaden von den späteren Glaukom-Patienten abwenden und so gleichzeitig auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Eine Initiative des Berufsverbandes der Augenärzte kämpft deshalb für die Aufnahme der Glaukomfrüherkennungsuntersuchung, bisher eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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