Pressearchiv BVA 2000

Glaukomfrüherkennung: Krankenkassen informieren falsch und zahlen doch nicht

Düsseldorf 09.03.2000 - Falschmeldung verunsichert Patienten und attackiert Augenärzte unsachlich.

Gestern haben die gesetzlichen Krankenkassen erneut in einer Falschmeldung behauptet, die Früherkennung des Grünen Stars (Glaukom) sei Kassenleistung. Diese unsachliche Attacke verunsichert Patienten und rückt die tatsächliche Sachlage in ein falsches Licht. Der Berufsverband der Augenärzte hat sich in den letzten Jahren wiederholt um die Einführung einer Früherkennungsuntersuchung des Glaukoms in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung bemüht. Dabei waren es die Krankenkassen, die eine solche Entscheidung abgelehnt haben. Dennoch behaupten sie immer wieder, dass die alle erforderlichen Diagnosemaßnahmen zur Früherkennung des Grünen Stars bezahlen würden. Auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband hat inzwischen an die gesetzlichen Krankenkassen appelliert, entsprechende Vorsorgeuntersuchungen zu erstatten.

Nach dem Motto "Alle lügen, keiner zahlt" argumentieren die Kassen mit Wortspielereien, die den Unterschied zwischen der Früherkennung und der Untersuchung aufgrund des konkreten Verdachts auf Grünen Star bzw. einer bereits festgestellten Erkrankung nicht herausstellen. Die Vorsorgeuntersuchung des Grünen Stars muss der Patient bei Beschwerdefreihheit selbst bezahlen. Nur wenn bei einem Patienten ein konkreter Verdacht auf Glaukom besteht oder die Glaukomerkrankung bereits diagnostiziert wurde, bezahlen die Krankenkassen die notwendigen Untersuchungen.

Das Augenleiden gilt als die häufigste durch Vorsorge vermeidbare Erblindungsursache. Beim Glaukom wird schmerzlos und zunächst ohne erkennbare Symptome der Sehnerv zerstört. Weil die Erkrankung in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium zu einer Sehverschlechterung führt, kann der Augenarzt nur durch eine Vorsorgeuntersuchung das Glaukom rechtzeitig erkennen und eine mögliche Erblindung verhindern.

Im Juli vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung auf Anfrage eines Abgeordneten klargestellt, dass eine Glaukomfrüherkennung nicht zu den präventiven Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehört. Der Bundesausschuss Ärzte / Krankenkassen hatte einer Aufnahme in den Leistungskatalog nicht zugestimmt. Deswegen musste die Kassenärztliche Bundesvereinigung alle Augenärzte verpflichten, die Früherkennung des Glaukoms nur als individuelle Gesundheitsleistung anzubieten. Diese muss der Patient selbst bezahlen.

Seit Monaten widersprechen sich die gesetzlichen Krankenkassen, indem sie einerseits die Bezahlung der Glaukomfrüherkennung aus wirtschaftlichen Gründen ablehnen und andererseits suggerieren, dass jeder Patient über 40 Jahre alle zwei Jahre Anspruch auf eine von der Kasse bezahlte Messung des Augeninnendrucks hätte. Während einige Kassen und Ministerien die Position des Berufsverbandes der Augenärzte bestätigen, wird sie gleichzeitig von anderen wütend bekämpft.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
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