Pressearchiv BVA 2001

Uveitis - Die Zeitbombe im Auge

Düsseldorf, 18.09.01 - Der Berufsverband der Augenärzte warnt vor Folgen unbehandelter Uveitis.

Uveitis - die Augenkrankheit ist kaum bekannt, obwohl sie in Deutschland nahezu eine halbe Million Menschen betrifft und jährlich 10.000 Neuerkrankungen hinzukommen. Die Entzündung von Gefäßhaut und Regenbogenhaut kann sich als akutes Ereignis durch ein rotes Auge mit Druckgefühl bemerkbar machen. Tückischer sind die langsam verlaufenden Entzündungen, bei denen es oft ohne akute Alarmzeichen langsam zu einer Verschlechterung des Sehvermögens kommt. Dann wird die Uveitis gelegentlich erst vom Augenarzt durch Zufall entdeckt. Schreitet die Uveitis unerkannt und unbehandelt voran, besteht die Möglichkeit, daß Komplikationen zu schweren Veränderungen des Sehvermögens führen. So kann ein erhöhter Augendruck, allgemein als grüner Star oder Glaukom bekannt, genauso wie eine Linsentrübung resultieren. Zahlreiche Erkrankungen können am Auge zu einer Uveitis führen, wobei insbesondere bei Kindern rheumatische Erkrankungen, im späteren Lebensalter die von Zecken übertragene Borreliose, Tuberkulose oder auch Herpes-Viren im Mittelpunkt stehen. "Nur bei rechtzeitiger Behandlung durch einen Augenarzt können schwere Folgeschäden durch eine Uveitis verhindert werden. Dabei ist ganz besonders eine ganzheitliche Diagnose wegen der vielfältigen Ursachen nötig" rät Professor Manfred Zierhut, leitender Oberarzt an der Augenklinik der Universität Tübingen für den Berufsverband der Augenärzte.

Blutgefäße - Lebensstrom

Die mittlere Schicht des Auges umschließt die Blutgefäße, daher wird sie auch Gefäßhaut genannt. Im vorderen Augenabschnitt geht die Gefäßhaut in die Regenbogenhaut über. Beide Schichten können sich einzeln oder auch zusammen entzünden, wodurch eine Uveitis entsteht. Entzündet sich die Regenbogenhaut allein (Iritis), suchen Patienten den Augenarzt oft zu spät auf, denn das Auge ist gerötet wie bei einer Bindehautentzündung. Mit jährlich 10.000 Neuerkrankungen zählt die Uveitis zu den Volkskrankheiten. Während bei Kindern besonders aggressive Formen im Rahmen von kindlichem Rheuma ausgelöst werden, tritt im jugendlichen Alter eher die sogenannte mittlere Uveitis (intermediäre Uveitis) auf, oft ohne zusätzliche Erkrankung. Weitere mögliche Erkrankungen, die zu einer Uveitis führen, sind die Lungentuberkulose oder auch die Sarkoidose, Herpes-Viren, die durch Zeckenbisse übertragbare Borreliose sowie Infektionen mit dem Parasiten Toxoplasma gondii, der häufig durch Katzen übertragen wird. Schwere Entzündungen können bei immungeschwächten Patienten auftreten, z.B. ausgelöst durch Aids-Viren oder auch durch den Hautpilz Candida.

Die Bombe tickt

Während die plötzlich einsetzende Uveitis meist als sogenannte Regenbogenhaut-entzündung auftritt und den Patienten meist schnell zum Augenarzt bringt, ist die chronische Form sehr tückisch. Oft führen Schleier oder Flocken vor den Augen die Betroffenen erst spät zum Augenarzt, weil diese Zeichen nicht ernst genommen werden. Prof. Manfred Zierhut, der sich seit Jahren mit der Krankheit auseinandersetzt, rät jedem Menschen mit veränderter Sehschärfe und sich bewegenden Flocken, sofort den Augenarzt aufzusuchen: denn "die Folgen, die eine derartige Entzündung nach sich zieht, können große Auswirkungen haben".

Langwierige Behandlung

Die Therapie der Uveitis ist häufig kompliziert und abhängig von der Ursache - sofern sie bekannt ist. Daher wird ein qualifizierter Augenarzt die Uveitis ganzheitlich diagnostizieren und behandeln, häufig ist jedoch auch die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten notwendig. Gegen die Gefahr der Verklebung von Linse und Regenbogenhaut wird die Pupille mit speziellen Augentropfen geweitet, was bei der akuten Form meist schon zu einem Verschwinden der Schmerzen führt. Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Bekämpfung der Entzündung, Während im Anfangsstadium insbesondere bei der Regenbogenhautentzündung, der vorderen Form der Uveitis, die Therapie mit kortisonhaltigen Tropfen erfolgreich ist, kann in späteren Stadien die Gabe von Kortisontabletten oder sogar Immunsuppressiva notwendig werden. Bei schweren Formen der Uveitis muss der Glaskörper operativ entfernt werden.

Therapie der Grunderkrankung

Liegt eine Infektion einer Uveitis zugrunde (z.B. Borreliose oder Tuberkulose oder Herpes-Viren), so kann die Krankheit mit Antibiotika oder Virustatika behandelt werden. Lässt sich keine infektiöse Grunderkrankung feststellen, so liegt der Uveitis häufig ein sogenannter Autoimmunprozess zugrunde. Bei diesen Erkrankungen kann das körpereigene Abwehrsystem nicht mehr eigene von fremden Strukturen unterscheiden. Als Folgeerscheinung trägt das fehlinformierte körpereigene Abwehrsystem zur Entzündung von Gefäßhaut und Regenbogenhaut bei. Neben Kortison-Tabletten sind daher insbesondere Immunsuppressiva, moderat dosiert, von großer Hilfe. "Die besonders schweren Formen der Krankheit, die sich durch das Vorliegen von zahlreichen Komplikationen und häufige Schübe auszeichnen, stellen heutzutage hohe Anforderungen an die Augenärzte. Nicht selten werden diese Patienten an darauf spezialisierten Krankenhäusern behandelt" urteilt der Autor mehrerer Fachbücher über die Uveitis, Professor Manfred Zierhut.

Kranke beraten Kranke

Um die Aufklärung über diese Volkskrankheit voranzutreiben, ist von Patienten-Seite die Deutsche Uveitis Arbeitsgemeinschaft (DUAG) ins Leben gerufen worden (Volker Becker, Forsthausstr. 6, 34792 Löhnberg; eMail: duag-ev@web.de). Ziel der DUAG ist es, Informationen den betroffenen Personen, jedoch auch dem Augenarzt durch Broschüren und Zeitschriften, zu bieten. Für Betroffene besteht die Möglichkeit sich über die DUAG mit Leidensgenossen auszutauschen. "Vielen Menschen ist nicht klar, was für besondere Anforderungen unser Berufsalltag und unsere Freizeit an das Augenlicht heutzutage stellt. In Deutschland gibt es 25 Millionen Bildschirmarbeitsplätze, nahezu jeder Deutsche nimmt am Straßenverkehr teil. Daher sollte niemand eine langsame Verschlechterung der Sehschärfe oder Schmerzen des Auges auf die leichte Schulter nehmen". Besonders Patienten, die an einer Erkrankung wie der Multiplen Sklerose, Sarkoidose, Borreliose und ähnlichen Systemerkrankungen leiden, bei Kindern besonders die kindliche Arthritis, rät Professor Manfred Zierhut zu einer engmaschigen Überwachung beim Augenarzt.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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