Pressearchiv BVA 2001

Lupe, Linse, Laser - Klare Sicht für alle Fälle

Düsseldorf, 16.07.01 - Berufsverband der Augenärzte stellt aktuelle "Sehhilfen" im Vergleich vor

Irgendwann im Leben wird jeder mit der Notwendigkeit konfrontiert, eine Brille tragen zu müssen. Selbst ein "Normalsichtiger" benötigt um das 45. Lebensjahr herum seine erste Nahbrille. Doch inzwischen ist die Brille längst nicht mehr das alleinige Mittel der Wahl: Kontaktlinsen und die Behandlung von Fehlsichtigkeit mittels Laserstrahlen stellen attraktive Alternativen zur Brille dar. Derzeit interessieren sich knapp 10 Millionen Kurzsichtige insbesondere für eine Laseroperation. Die Korrektur der Fehlsichtigkeit durch LASIK (Laser in situ Keratomileusis), so der Berufsverband der Augenärzte (BVA), wird mittlerweile allein in Deutschland jährlich bei rund 30.000 Menschen durchgeführt. Ob die Operation das geeignete Verfahren ist, oder ob eine Brille oder Kontaktlinsen für den Einzelnen die richtige Sehhilfe sind, muss der Augenarzt entscheiden. Jede Augenkorrektur hat ihre Vor- und Nachteile, nicht jede Methode ist für jeden geeignet.

Brillen

Eine Brille ist immer noch die häufigste Sehhilfe. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Brillengläser. Eine eventuelle Entspiegelung muss dagegen der Patient selbst zahlen, ebenso das Gestell. Schwierigkeiten haben Menschen, die sowohl eine Lesebrille als auch eine Fernbrille benötigen. Insbesondere in späteren Lebensabschnitten, wenn die altersbedingte Weitsichtigkeit einsetzt, beginnt bei vielen Leuten das Brillenchaos: Für das Lesen der Speisekarte die eine, fürs Autofahren die andere Brille. Hinzu kommt vielleicht sogar noch eine weitere Brille für das Sehen bei mittleren Abständen wie z.B. bei der Bildschirmarbeit oder beim Musizieren. Hat man dann einmal eine seiner Brillen vergessen, wird es schwierig. Zwar gibt es Brillen mit "Gleitsicht", doch sind diese nicht für alle Gegebenheiten geeignet und nicht alle Brillenträger kommen damit nicht zurecht. Für Sportler sind Brillen meist keine Alternative, da Sportbrillen geringen Tragekomfort bieten. Insbesondere Schwimmer müssen ohnehin andere Sehhilfen benutzen.

Kontaktlinsen

Kontaktlinsen, die es in sehr vielen Varianten gibt, sollten immer vom Augenarzt angepasst werden. Nur der kann entscheiden, welche Linsen für den individuellen Patienten die am besten geeigneten sind. Er muss den richtigen Sitz der Linsen beurteilen und prüfen, ob der Patient genügend Tränenflüssigkeit besitzt. Für Patienten mit Altersweitsichtigkeit sind Kontaktlinsen nur bedingt geeignet. Bei Allergikern muss der Augenarzt überprüfen, ob sie auf Inhaltsstoffe der Kontaktlinsenlösung überempfindlich reagieren. Heuschnupfen-Patienten haben erfahrungsgemäß Probleme, da die Linsen insbesondere während der Allergiezeit schlechter vertragen werden. Kontaktlinsen können - je nach Typ - manchmal nur 8 bis 10 Stunden getragen werden, danach sind sie nicht mehr ausreichend sauerstoffdurchlässig und müssen in die Reinigungslösung eingebracht werden. Bei mangelnder Hygiene und schlechter Tränenqualität lagern sich Eiweiße auf der Kontaktlinse ab, die dem Auge Schaden zufügen können. Weiche Kont aktlinsen mit höherem Tragekomfort können bei feinsten Beschädigungen die Hornhaut zerkratzen, ohne dass der Träger es sofort bemerkt. An Bildschirmarbeitsplätzen treten Probleme bei Kontaktlinsenträgern auf, da die Blinzel-Frequenz zu niedrig ist und das Auge austrocknet. Ein ähnliches Problem stellt sich in klimatisierten Räumen wegen der geringeren Luftfeuchtigkeit. Dennoch können nach Aussagen von Dr. Hans-Walter Roth, Leiter des Instituts für wissenschaftliche Kontaktoptik in Ulm und Vorstandsvorsitzender der europäischen Kontaktlinsengesellschaft (ECLSO), heute weitaus bessere Anpassergebnisse erzielt werden als noch vor wenigen Jahren, und es verbleiben nur noch wenige Fälle, die nicht befriedigend mit Kontaktlinsen korrigiert werden können. Inzwischen sind Kontaktlinsen auch in der Lage, Altersweitsichtigkeit zu korrigieren und können selbst bei manchen Patienten mit "trockenen" Augen angepasst werden. Kontaktlinsenträger sollten alle 6 Monate ihre Augen vom Augenarzt überprüfen lassen. Die Kosten für Kontaktlinsen werden bei bestimmten medizinischen Indikationen zumindest teilweise von den Krankenkassen erstattet.

LASIK - die Operation

Während sich derzeit die Zahl der Lasereingriffe zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten in den USA jährlich verdoppelt, werden auch in Deutschland solche Korrekturen von den Patienten immer häufiger nachgefragt. Bei der LASIK-Methode erhält der Patient vor Operationsbeginn ein Schmerz- und Beruhigungsmittel. Das Auge wird mit Tropfen betäubt. Ein kleines Messer schneidet zunächst die Hornhaut ein. Dann bearbeitet der Laserstrahl die Hornhaut so, dass im Idealfall keine Fehlsichtigkeit mehr verbleibt. Die ganze Operation dauert nur einige Minuten. Anschließend wird ein duchsichtiger Verband angelegt, den der Patient am nächsten Morgen wieder entfernen kann. Wichtig ist nach der Operation das Einbringen von Augentropfen, noch wichtiger, dass am operierten Auge nicht gerieben wird. Die ersten beiden Wochen nach der Operation sollte man sich schonen, nicht schminken und nicht schwimmen gehen. Am Tag nach der Operation ist oft schon normale Sehschärfe erreicht, in den Folgemonaten kann sich dies noch leicht durch die Heilungsprozesse im Auge verändern. Die Kommission Refraktive Chirurgie KRC des BVA und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft DOG hat Richtlinien erstellt, damit bei diesem Eingriff höchste Qualitätsmaßstäbe angelegt werden und Komplikationen auf ein Minimum beschränkt bleiben.

LASIK - für wen ist sie geeignet

Während noch vor drei Jahren LASIK vorwiegend für Kurzsichtige in Frage kam, ist inzwischen durch die Verbesserung und Verfeinerung des Verfahrens auch eine Korrektur der Weitsichtigkeit möglich, aber noch nicht die Behandlung der Alterssichtigkeit. Wichtig ist die Wahl des richtigen Augenchirurgen, gekoppelt mit dem richtigen oder passenden Laser. In den USA, so meldet der Spiegel, operieren auch sogenannte Kaufhaus-Chirurgen unter jahrmarktähnlichen Bedingungen. Dass von solchen Gegebenheiten nur abzuraten ist, versteht sich von selbst. In Deutschland gibt es mehrere Zentren, die diese Behandlung vornehmen können. Vor der Operation müssen verschiedene Fragen mit dem Augenarzt abgeklärt werden, insbesondere sollte sichergestellt sein, dass der Tränenfilm des Patienten nicht krankhaft verändert ist. Auch Patienten mit rheumatischen Erkrankungen müssen sich dringend zuvor mit ihrem Augenarzt beraten, da durch die Erkrankung die Heilung verzögert werden kann. Wichtig für den Eingriff ist ebenso, dass das Auge "ausgewachsen" ist - damit kommen normalerweise nur Patienten über 18 Jahren und mit stabilen Brillenglas- oder Kontaktlinsenwerten für dieses Verfahren in Frage. Eine altersbedingte Weitsichtigkeit lässt sich durch LASIK nicht korrigieren. Die Kosten für die Operation müssen, von einigen Einzelfällen abgesehen, vom Patienten selbst getragen werden.

Augenarzt und Patient entscheiden gemeinsam über die beste Methode

"Die Refraktion, also der Ausgleich von Fehlsichtigkeiten, stellt immer mehr nicht nur eine Brillenbestimmung dar, sondern erfordert immer eine Untersuchung der Augen und eine Beratung über die Möglichkeiten des Ausgleichs bei den heutzutage ständig steigenden Sehansprüchen. Das kann nur der Augenarzt", so Dr. Uwe Kraffel, 1. Vorsitzender des BVA.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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