Pressearchiv BVA 2002

Verschmutzte Linsen vergiften gesunde Augen

Düsseldorf, 27.08.02 - Berufsverband der Augenärzte (BVA) warnt vor mangelnder Hygiene bei der Kontaktlinsenpflege

Immer mehr Kontaktlinsen-Geschädigte suchen in diesem Sommer einen Augenarzt auf. Schuld an ihren brennenden, tränenden und geröteten Augen sind in vielen Fällen verschmutzte Linsen, die nicht regelmäßig gereinigt wurden. Gerade während der Urlaubszeit wird die unsichtbare Sehhilfe oft überstrapaziert und zu lange getragen, die notwendige Hygiene kommt häufig zu kurz. Dr. Uwe Kraffel, erster Vorsitzender des BVA, empfiehlt Kontaktlinsenträgern deshalb dringend, die intensive Reinigung der Linsen nicht aus Zeitgründen zu vernachlässigen: "Infektionen, toxische oder allergische Reaktionen am Auge sind in den meisten Fällen auf mangelnde Hygiene zurückzuführen. Viele Patienten versuchen Zeit und Geld zu sparen, indem sie die Linsen nur oberflächlich desinfizieren und auf eine gründliche Reinigung verzichten. Trockene Augen sind besonders anfällig für Keime und Bakterien, die zu schweren Infektionen führen können." Augenärzte raten Kontaktlinsenträgern deshalb dringend, ihre Linsen vor und nach dem Tragen gründlich zu reinigen und vor jedem Kontakt die Hände sorgfältig zu waschen. Patienten sollten Augen und Kontaktlinsen außerdem regelmäßig von einem Augenarzt untersuchen lassen, der mögliche Reinigungsfehler und Materialschäden sowie drohende Augenschäden rechtzeitig erkennen kann.

Nicht jede Linse für jedes Auge

Kontaktlinsen sind vor allem bei jungen Leuten eine beliebte Sehhilfe. Das Tragen von Linsen ist heute selbstverständlich geworden und doch bleiben wichtige Regeln für den Kauf und die Benutzung immer öfter unbeachtet. Dr. Hans-Walter Roth, Leiter des Instituts für wissenschaftliche Kontaktoptik in Ulm, kennt die Hauptgründe für Augenschäden durch Kontaktlinsen: "Viele Linsenträger haben es vor dem Kauf versäumt, sich von einem fachkundigen Augenarzt ausführlich untersuchen und beraten zu lassen. Denn nicht jede Sehschwäche kann mit Kontaktlinsen erfolgreich behandelt werden, eine individuelle Anpassung an die Augen des Patienten ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Verbesserung der Sehfunktion." Roth empfiehlt bei der Anpassung von Kontaktlinsen besonders darauf zu achten, dass der notwendige Tränenfluss im Auge nicht durch eine unpassende Linse behindert wird. Auch sollte bei der Wahl der Kontaktlinsen die Sauerstoffdurchlässigkeit des Materials und die Linsengröße für jeden Patienten individuell bestimmt werden. Einweglinsen können diesen individuellen Bedürfnissen der Patienten nur selten gerecht werden. Zudem werben die Hersteller von solchen Linsen oft mit deren kinderleichten Handhabung, ohne auf mögliche Komplikationen hinzuweisen. Häufig werden diese Fertiglinsen im kompletten Monatspaket mit billigen Pflegemitteln angeboten, die nur eine geringere Reinigungskraft haben als hochwertige Produkte. Auch die versprochene Haltbarkeit von einem Monat ist nicht bei jedem Fertiglinsenpaar garantiert. Patienten sollten sich daher vor dem Kauf von einem Augenarzt untersuchen und informieren lassen, damit sie ihren Augen nicht durch den unsachgemäßen Gebrauch von Kontaktlinsen Schäden zufügen.

Kontrollen schützen vor Augenschäden

Bei geröteten, tränenden und schmerzenden Augen sowie Sehstörungen sollten Kontaktlinsenträger umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Der Verzicht auf die Linsen z.B. durch das Tragen einer Brille kann die Beschwerden gelegentlich kurzfristig bessern, hilft aber nicht bei der Ursachenforschung. Nur ein erfahrener Augenarzt weiß, ob weiterhin Kontaktlinsen getragen werden können und ob diese dann neu angepasst, gereinigt oder ausgetauscht werden müssen. Dr. Gerald Böhme, Leiter des Arbeitskreises Kontaktlinsen, kennt die Materialbeschaffenheit von Kontaktlinsen genau: "In den meisten Fällen sind die Beschwerden auf eine mangelnde Reinigung zurückzuführen. Ablagerungen, die sich auf der Kontaktlinsenoberfläche ansammeln, behindern die Luftdurchlässigkeit des Materials und können zu allergischen Reaktionen führen. Häufig entsteht eine unangenehme Bindehaut- oder Hornhautentzündung." Um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten, hat der BVA Leitlinien für Kontaktlinsen-Kontrollen zusammengestellt. Danach sollten die Augen beim Tragen weicher Kontaktlinsen alle 6 Monate augenärztlich überprüft werden. Bei formstabilen Kontaktlinsen ist eine jährliche Kontrolle ausreichend, sofern keine Beschwerden auftreten. Nur durch sorgfältige Auswahl und Anpassung der Kontaktlinsen, penible Linsenhygiene und regelmäßige augenärztliche Kontrollen können Augenschäden bestmöglich vermieden werden - damit die Linsen möglichst viele Jahre lang problemlos vertragen werden.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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