Pressearchiv BVA 2002

Antibiotika und Cortison - Gift für die Augen?

Düsseldorf, 26.07.02 - Berufsverband der Augenärzte (BVA) warnt vor unkritischem Gebrauch von Medikamenten

Ärzte und Patienten gehen zu sorglos mit Antibiotika und Cortisonpräparaten um: Rund 5.000 Tonnen Antibiotika werden jährlich in der EU für die Humanmedizin verbraucht. Sogar bei Krankheiten, die durch einen Virus verursacht werden, werden Antibiotika verschrieben und eingenommen, obwohl diese gegen Viren nichts ausrichten können. Im Einzelfall ist der Einsatz von Cortison oder Antibiotika zwar unverzichtbar - auch in der Augenheilkunde. Viele Menschen wären erblindet, wenn es diese Medikamente nicht gäbe. Dennoch warnt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.: "Durch den zu häufigen Einsatz von Antibiotika oder Cortison wird eine ganze Reihe neuer Probleme geschaffen", erklärt Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des BVA. Der sorglose Umgang mit Antibiotika hat mittlerweile dazu geführt, dass immer mehr Erreger resistent geworden sind. Auch die Zahl der Pilzinfektionen im Augenbereich hat deutlich zugenommen. Durch die oft unkritische Verabreichung und Benutzung von Antibiotika bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion oder von Cortison haben sich Pilzinfektionen verschlimmert. "Verantwortungsvolle Mediziner sollten Antibiotika oder Cortisonpräparate nur dann verschreiben, wenn eine intensive augenärztliche Diagnostik erfolgt ist, andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und entsprechende Indikationen vorliegen", meint Prof. Bertram. "Genauso sollten Patienten niemals ein nicht aufgebrauchtes Antibiotikum oder Cortisonpräparat verwenden, wenn ähnliche Symptome auftreten wie bei der letzten Erkrankung, für die das Medikament eigentlich verschrieben wurde".

Ähnliche Krankheitsbilder durch Bakterien und Viren

In viele therapeutische Entscheidungen müssen Erfahrungen einfließen, die sich ein Arzt erst im Laufe eines langen Berufslebens erwirbt. Dies gilt besonders für Krankheitsbilder, die nur auf den ersten Blick banal erscheinen, weil sie so häufig sind, wie beispielsweise das "Rote Auge". "Es wäre ein großer Fehler von Arzt oder Betroffenen, unkritisch und gedankenlos Antibiotika zu verwenden. Viele Augenerkrankungen sind nicht durch Bakterien sondern durch Viren verursacht. Hier helfen Antibiotika jedoch nicht", erklärt Prof. Bertram. In vielen Fällen liegt beim "Roten Auge" keine Infektion vor, sondern ein Fremdkörper oder eine Allergie. Der Einsatz von hochpotenten, aber dann trotzdem wirkungslosen Medikamenten kann zur Folge haben, dass die natürliche bakterielle Besiedlung des Auges oder Bindehautsacks nachhaltig gestört wird: Es verbleiben nur solche Bakterien, die auf genau dieses Medikament nicht mehr ansprechen. Antibiotika sind in der Regel nur dann angebracht, wenn eine eindeutige bakterielle Infektion vorliegt.

Vorsicht bei Cortison: Erkrankung kann schlimmer werden

Ähnliches gilt für den Einsatz von Cortisonpräparaten. Viele Rötungen am Auge bilden sich zurück - um nach Absetzen des Präparats noch stärker wiederaufzutreten. Hier kann der Augenarzt auf andere Präparate zurückgreifen, die durchaus effektiv sind. Zu Bedenken ist bei der Anwendung von Cortisonpräparaten, dass der Augendruck ansteigen kann und die körpereigene Abwehr vermindert wird. Deswegen können Infektionen mit Bakterien, Herpes, anderen Viren oder Pilzen durch Cortison deutlich verschlechtert werden. So muss bei der Behandlung des Herpes am Auge auf cortisonhaltige Augentropfen verzichtet werden, da sie die Ausbreitung der Viren beschleunigen können. "Cortison und Antibiotika sind hochpotente Medikamente, die segensreich sind, wenn sie fachmännisch und mit kundiger Hand eingesetzt werden. Dann sind sie ohne Gefahr, schädliche Nebenwirkungen können vermieden werden", so Privatdozent Dr. Hermann Gümbel, Leiter der Bundeswehraugenklinik Ulm und Autor des Buches "Infektionen am Auge".

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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