Pressearchiv BVA 2002

Bei Kopfschmerzen kein Auge zudrücken

Düsseldorf, 21.04.02 - Berufsverband der Augenärzte: 25% der Kopfschmerzen vom Auge mit verursacht

Bohrende, pochende, stechende oder drückende Qualen: Rund 22,5 Millionen Deutsche leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Vielen Leidenden ist jedoch nicht bekannt, dass die Augen ein Auslöser sein können. So haben Kopfschmerzgeplagte nicht selten eine Odyssee verschiedener ärztlicher Untersuchungen hinter sich, bis die Verordnung einer neuen Brille oder Behandlung einer unentdeckten Augenerkrankung von den Kopfschmerzen erlöst. "Bei mehr als einem Viertel aller Patienten, die unter Kopfschmerzen leiden, ist das Sehorgan ursächlich beteiligt", so Prof.Dr. Joachim Küchle, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) und ehemaliger Direktor der Uni-Augenklinik Münster. Eine Erkrankung des Auges, der Augenhöhle oder des Tränenapparates führt oftmals zu Beschwerden, die der Betroffene als Stirn- oder Schläfenschmerzen wahrnimmt. Denn der vom Auge ausgelöste Schmerz strahlt meist in dessen Umgebung aus und macht sich dort besonders intensiv bemerkbar. "So besteht die Gefahr von Fehldiagnosen", erklärt Prof. Bertram, zweiter Vorsitzender des BVA, "da in solchen Fällen eher an Migräne oder Entzündungen der Nebenhöhlen und der Zähne gedacht wird. Unter Umständen verstreicht wertvolle Zeit und das Sehvermögen ist gefährdet, bis die eigentliche Ursache aufgedeckt wird. Daher sollten Betroffene sich auch beim Augenarzt untersuchen lassen."

Augenbedingte Kopfschmerzen

Die Umgebung des Auges besitzt besonders viele und stark schmerzempfindliche Nervenfasern. Aus der Reizung dieser Nerven können Kopfschmerzen resultieren. Die Ursachen für augenbedingte Kopfschmerzen können entzündliche Erkrankungen der Lider, der Tränendrüse und der Augenhöhle sein. Weitere mögliche Ursachen können Entzündungen der vorderen Abschnitte des Augapfels, wie Bindehaut oder Hornhaut, aber auch eine plötzliche Steigerung des Augeninnendrucks sein: "In einigen Fällen kann ein hoher Augendruck aufgrund einer Verletzung oder Entzündung im Auge oder das relativ seltene Engwinkel-Glaukom starke Kopfschmerzen verursachen", erklärt Prof. Bertram.

Kinder-Kopfschmerz

In Deutschland leiden laut einer Forsa-Umfrage mehr als 11% der Kinder unter Kopfschmerzen. Auch hier ist eine Ursache oft im Augenbereich zu finden. So ist eine Weitsichtigkeit im Kindesalter häufig Ursache für Klagen über Kopfweh. In solchen Fällen führt die Verordnung der richtigen Brille zum Abklingen aller Beschwerden. Auch ein offensichtliches oder latentes Schielen kann zu Kopfschmerzen führen. "Um die Augen auf 'Kurs' zu halten, muss eine motorische Feinsteuerung erfolgen. Kopfschmerzen können Ausdruck einer solchen ständigen Anstrengung sein", weiß Prof. Küchle aus Münster. "Sie verschwinden meist nach Ausgleich des Sehfehlers oder in bestimmten seltenen Fällen durch Anpassung einer speziellen Prismenbrille."

Erkrankungsursachen frühzeitig erkennen

Patienten mit Kopfschmerzen werden vom Augenarzt sehr ernst genommen. Vor allem muss auch bei Erwachsenen zuverlässig ein Sehfehler, ein Schielen oder eine gefährliche Erkrankung im Gehirnbereich ausgeschlossen werden. So kann der Augenarzt beispielsweise einen Gehirntumor an typischen Veränderungen des Sehnervens frühzeitig erkennen. Weitere Untersuchungen, wie die des Gesichtsfelds oder der Pupillenreaktion, können eine ganze Reihe der zahlreichen, möglichen Ursachen von Kopfschmerz erfassen. "Patienten mit anhaltenden oder häufig auftretenden Kopfschmerzen müssen zum Ausschluss einer Erkrankung oder Sehschwäche grundsätzlich augenärztlich untersucht werden", erklärt Prof. Bertram. Auch wenn manche Ursachen von Kopfschmerzen eher harmlos sind: Die frühzeitige Klärung und Behandlung ist schon deshalb wichtig, weil viele über längere Zeit eingenommene Schmerzmittel schwere Nierenschäden bewirken können. "Manchem Patienten kann eine frühzeitige Untersuchung beim Augenarzt auch eine ganze Reihe anderer Behandlungen und eventuell unnötige Röntgenuntersuchungen ersparen", meint Prof. Bertram.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
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presse(at)augeninfo.de,
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