Pressearchiv BVA 2002

Tod im Straßenverkehr - Schlechtes Sehen ist lebensgefährlich

Düsseldorf, 19.03.02 - Berufsverband der Augenärzte bietet jetzt speziellen Augencheck, der alle wichtigen Sehfunktionen für Autofahrer umfasst

Ab dem 40. Lebensjahr kommt es bei allen Menschen zu einer zunehmenden Verringerung der Sehschärfe bei Dämmerung und in der Nacht. Zwischen 50 und 59 Jahren sind bereits 11,5% aller Verkehrsteilnehmer unfähig, nachts ein Auto zu steuern. Ab dem 60. Lebensjahr betrifft dies rund ein Drittel aller Autofahrer. Nach Schätzung des Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) gehen 300.000 Verkehrsunfälle auf schlechtes Sehen zurück. Ursachen sind normale altersbedingte Veränderungen der Augen: Angefangen von einer Verengung der Pupille bis hin zur Verdichtung der Linse und Trübung des Glaskörpers. Dazu häufen sich jedoch zahlreiche alterspezifische Erkrankungen. Dies bleibt unbemerkt, wenn nur - wie beim amtlichen Führerscheintest - die Tagessehschärfe geprüft wird. Die Veränderungen und Krankheiten schränken jedoch das Sehvermögen stark ein und können im Straßenverkehr lebensgefährlich sein. Daher hat der BVA einen speziellen und gründlichen Augencheck für Autofahrer entwickelt, der alle für den Straßenverkehr bei Tag und Nacht wichtigen Sehfunktionen umfasst und jetzt von deutschen Augenärzten angeboten wird.

Standardtests reichen nicht aus

Der amtliche Sehtest zur Erlangung des Führerscheins beschränkt sich auf die Prüfung der Tagessehschärfe. Dies reicht jedoch nicht aus: Mit zunehmendem Alter gibt es viele verschiedene Ursachen für eine Verschlechterung des Sehvermögens im Straßenverkehr. Hierzu zählen altersspezifische Krankheiten wie der Graue Star, die Makuladegeneration und bei vielen Diabetikern eine Schädigung der Netzhaut. Hinzu kommen krankhafte Gesichtsfeldausfälle ab dem 60. Lebensjahr bei mehr als 6% der Bevölkerung und ab dem 65. Lebensjahr bei mehr als 14%. Die Veränderungen stellen sich oft langsam und schleichend ein und bleiben vom Betroffenen unbemerkt. Daher rät der BVA aktiven Verkehrsteilnehmern, sich alle fünf Jahre, ab dem 45. Lebensjahr alle zwei Jahre und ab dem 60. Lebensjahr jährlich vom Augenarzt untersuchen zu lassen.

Auge und Auto zur Inspektion

In den USA müssen Autofahrer alle vier Jahre den Führerschein mit einem Wiederholungssehtest erneuern. In Deutschland setzt man auf das Verantwortungsbewusstsein der Führerscheininhaber. Lediglich Berufskraftfahrern werden regelmäßige Pflichttests abverlangt. "Da über das optische System mehr als 90% der Informationen aufgenommen werden, wird klar, dass verkehrsmedizinisch hier eine Achillesferse der Fahreignung älterer Verkehrsteilnehmer liegt", so Prof.Dr. W. Eisenmenger, Vorstand des rechtsmedizinischen Instituts der Universität München, auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag vom 23. bis 25. Januar 2002 in Goslar. Immerhin wird Senioren mit zunehmenden Alter in bis zu 76% die Schuld am Unfall zugewiesen. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag 2002 betont das ureigenste Interesse älterer Verkehrsteilnehmer an der Erhaltung ihrer Mobilität, empfiehlt aber: "Sie sollten in eigener Verantwortung ihre gesundheitliche Befähigung zur Teilnahme am Straßenverkehr in angemessenen Abständen überprüfen lassen." Der ADAC schließt sich dem an und appelliert gerade an ältere Verkehrsteilnehmer, ihr Sehvermögen regelmäßig testen zu lassen.

Ergebnis unterliegt der Schweigepflicht

Beim augenärztlichen Autofahrer-Sehtest werden alle für den Straßenverkehr wichtigen Funktionen überprüft. Neben einer umfassenden Beratung wird Kurz- und Weitsichtigkeit überprüft, der vordere und hintere Augenabschnitt untersucht, das Gesichtsfeld ausgemessen, die Netzhaut auf Stoffwechselerkrankungen überprüft, das Dämmerungssehen getestet und ein Test auf Schielen durchgeführt. Das Ergebnis steht unter dem zuverlässigen Schutz der ärztlichen Schweigepflicht. Das gilt auch für die vom Augenarzt erteilten Ratschläge und Empfehlungen zum Verhalten unter ungünstigen Sehbedingungen. Der BVA hofft auf die Einsicht der Autofahrer: "Wenn beim Test festgestellt wird, dass jemand aufgrund einer nicht heilbaren Sehbeeinträchtigung eine Gefährdung im Straßenverkehr darstellt, sollte er die entsprechenden Maßnahmen ergreifen", meint Dr. Uwe Kraffel, 1. Vorsitzender des BVA.

Eventuelle Krankheiten frühzeitig erkennen

Beim Sehtest für Autofahrer handelt es sich um eine Früherkennungsmaßnahme, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt wird. Da durch die Tests aber auch eventuelle Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können, sollten nicht nur die Haftpflichtversicherungen, sondern auch die Krankenkassen über einen Bonus für diejenigen Autofahrer nachdenken, die sich regelmäßig testen lassen und somit sich und andere schützen. Die Kosten einer großen Komplettuntersuchung betragen ungefähr eine Tankfüllung, also rund 50 Euro. "Dies sollte jedem Autofahrer die Gewissheit wert sein, dass er weder sich noch andere gefährdet", so Dr. Joachim Stryz, bayerischer Landesvorsitzender der BVA.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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