Pressearchiv BVA 2003

Den meisten Menschen immer noch unbekannt: AMD - die bedrohlichste Alterskrankheit des Auges

Aachen/Düsseldorf, 09.12.2003 - AMD - die bedrohlichste Alterskrankheit des Auges

Die Selbsthilfeorganisation Pro Retina und der Berufsverband der Augenärzte (BVA) bilden eine Allianz mit dem Ziel, die Bevölkerung über die Krankheit zu informieren, die in der zweiten Lebenshälfte ihr Augenlicht bedroht. Die AMD (altersabhängige Makuladegeneration) ist in den wohlhabenden Ländern, in denen die Lebenserwartung hoch ist, die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung oder Blindheit jenseits des 50. Lebensjahres. Heute leiden weltweit ca. 25 bis 35 Millionen Menschen an dieser Augenkrankheit; innerhalb der nächsten 25 Jahre - so wird befürchtet -verdreifacht sich die Zahl der AMD-Kranken.

Diese Entwicklung veranlasste Organisationen aus 20 Ländern, sich zur AMD Alliance International zusammenzuschließen. Gemeinsam wollen sie den schweren Folgen der Krankheit durch Aufklärung entgegen wirken und den Betroffenen Hilfe und Hoffnung bieten. Die deutsche Organisation wurde von der Selbsthilfevereinigung Pro Retina gegründet; der Berufsverband der Augenärzte gehört ihr als Mitglied an.

Eine wichtige Aufgabe sieht die Pro Retina in der Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegenerationen mit dem Ziel, diese Erkrankungen einer Therapie zugänglich zu machen. Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen der AMD noch nicht geklärt. Verantwortlich für den Funktionsverlust der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) sind Ablagerungen, die im höheren Lebensalter zunehmen und sich unter der Netzhaut ansammeln, sowie Stoffwechselstörungen in bestimmten Netzhautschichten. Im Verlauf der Erkrankung geht die zentrale Sehschärfe verloren; wahrnehmbar bleibt für den Patienten nur noch das, was sich außerhalb des zentralen Gesichtsfelds abspielt. Das Ausmaß des Sehverlustes hängt von der Verlaufsform der AMD ab. Am weitaus häufigsten tritt die "trockene" AMD auf. Von dieser milderen Form sind etwa 85 Prozent der Patienten betroffen. Ihr Sehvermögen verschlechtert sich allmählich bis hin zum erheblichen Verlust der zentralen Sehschärfe. Bei 15 Prozent der Fälle geht die trockene AMD in die feuchte Form über. Diese aggressivere Variante, die "feuchte" AMD, führt meist sehr schnell zum totalen Ausfall des Sehzentrums.

Der Erfolg der noch begrenzten Behandlungsmöglichkeiten hängt vom rechtzeitigen Beginn der Therapie ab. Die Früherkennung der AMD ist von ganz entscheidender Bedeutung und zwar bevor für den Patienten wahrnehmbare Symptome auftreten. Das heißt: Menschen über 50 Jahre sollten sich regelmäßig (mindestens alle zwei Jahre) von ihrem Augenarzt untersuchen lassen, auch wenn sie keinerlei Beschwerden haben. Ein Sehtest beim Optiker genügt nicht, denn er sagt nichts über die Gesundheit der Augen aus.

Studie offenbart mangelndes Bewusstsein für Krankheiten, die das Sehvermögen bedrohen

Die AMD Alliance International ließ von Gallup, dem weltweit größten Marktforschungsinstitut, im Juni dieses Jahres in zwölf Ländern Daten zum Thema Augenuntersuchungen erheben. Dabei ging es vor allem um die Einstellung zur AMD, Früherkennung und Rehabilitation. Der Länderbericht Deutschland zeigt, dass es um die Vorsorge für Augengesundheit schlecht bestellt ist. Über 55-jährige haben ein erhöhtes Risiko, an einer AMD zu erkranken. Dennoch waren fast 20 Prozent innerhalb der letzten zwei Jahre nicht beim Augenarzt. Die meisten von ihnen (77 %) erklärten, sie hielten es nicht für erforderlich, da sie keine Sehprobleme hätten. Befragt nach der AMD gaben 73 Prozent dieser Altersgruppe an, die Krankheit nicht zu kennen, 9 Prozent waren sich nicht sicher und nur 18 Prozent waren informiert.

Früherkennung - Weichenstellung für die bestmögliche Hilfe

Heilbar ist eine AMD nach den heutigen Erkenntnissen noch nicht, aber der Krankheitsverlauf lässt sich verlangsamen. Das ist besonders wichtig beim Übergang in die feuchte AMD mit schnell fortschreitendem Sehverlust. Dem Augenarzt stehen bei der feuchten AMD zwei unterschiedliche Methoden der Lasertherapie zur Verfügung. Deren Einsatzmöglichkeit und Erfolg ist vor allem eine Frage des Behandlungsbeginns, also der Früherkennung. Ob bei einer trockenen AMD bestimmte Kombinationen von hoch dosierten Vitaminen und Mineralien als Nahrungsergänzungsmittel dazu beitragen können, das allmähliche Nachlassen der zentralen Sehschärfe weiter zu verlangsamen, wird zurzeit diskutiert. Augenärzte informieren ihre AMD-Patienten auch über diese Möglichkeit und ihre Risiken. Da auch hierbei nur in einem ganz bestimmten Stadium der Krankheit eine Chance besteht, ist die Verlaufsdiagnostik und -kontrolle durch den Augenarzt von besonderer Bedeutung. Auch wenn die therapeutischen Möglichkeiten erschöpft sind, eröffnet sich für den AMD-Patienten eine Vielzahl von Hilfsangeboten. Parallel zur augenärztlichen Versorgung übernimmt die Selbsthilfevereinigung Pro Retina die praktische und psychologische Unterstützung, die den Betroffenen ermöglichen soll, ein Leben mit Sehbehinderung ohne Abhängigkeit von fremder Hilfe zu führen. Rehabilitationsmaßnahmen wie z.B. der individuellen Situation angepasste, vergrößernde Sehhilfen bis hin zu optisch elektronischen und akustischen Hilfsmitteln werden vom Augenarzt verordnet und stufenweise dem fortschreitenden Sehverlust angeglichen. Pro Retina vermittelt Adressen von Trainern für Mobilität und "lebenspraktische Fertigkeiten", außerdem für qualifizierte Therapeuten, die helfen, das Schicksal anzunehmen und dem Leben neue Perspektiven zu geben.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

Zum Seitenanfang