Pressearchiv BVA 2003

Schlafen am Steuer ist tödlich

Düsseldorf, 04.08.03 - Überwachung der Pupille kann drohenden Sekundenschlaf vorhersagen

Jeder vierte Verkehrsunfall ist auf Müdigkeit des Fahrers zurückzuführen. 1.900 Menschen verlieren dabei jährlich in Deutschland ihr Leben 1). Gerade in diesem Sommer gab es einige besonders schwere Unfälle mit Reisebussen. Wer unausgeschlafen ist, weil er unter Schlafstörungen oder Schlafentzug leidet, sollte sich nicht hinter das Steuer eines Fahrzeuges setzen. Besonders bei langen Autobahnfahrten ist die Gefahr groß, dass der übermüdete Fahrer für einige Sekunden einschläft und die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Aber wie soll der Reisende erkennen, ob der Mann am Steuer übermüdet ist? Oft wird die eigene Konzentrationsfähigkeit überschätzt, Fahrpausen werden nicht eingehalten. Augenärzte haben jetzt ein Verfahren entwickelt, das die Müdigkeit des Fahrers überprüft. "Mit modernster Video- und Computertechnik können wir heute an der Pupille messen, wann jemand einzuschlafen droht", erklärt Professor Dr.med. Helmut Wilhelm, Lehrender an der Universitätsaugenklinik Tübingen und Mitglied im Berufsverband der Augenärzte e.V. (BVA). "Im Übergang vom Wachen zum Schlafen fangen die Pupillen an, sich langsam zu verengen und wieder zu erweitern. Dies ist ein deutliches Zeichen für Schläfrigkeit. Damit lässt sich vor Fahrtantritt und bei Fahrpausen feststellen, ob ein hohes Einschlafrisiko besteht und Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen".

Was Pupillenbewegungen verraten

Derzeit führt die Universitätsaugenklinik Tübingen entsprechende Stichproben an Autobahnraststätten durch, um die Gefahr des Sekundenschlafs bei Autofahrern zu untersuchen. Prof. Wilhelm erklärt: "Wir messen die Pupillenweite in einem verdunkelten Untersuchungsraum. Dieser pupillographische Schläfrigkeitstest (PST Amtech) wurde von uns an der Augenklinik Tübingen entwickelt und wird seit Jahren in der Schlafmedizin weit verbreitet angewandt. Er bietet die technischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen für den Einsatz bei Verkehrskontrollen". An Universitätsaugenkliniken wie z.B. in Tübingen wurde der Pupille sogar eine eigene Forschungseinrichtung gewidmet, das Pupillographie-Labor 2). "Normalerweise sind die Pupillen auf beiden Seiten rund und mittelweit geöffnet. Auf Lichteinfall verengen sie sich beidseitig gleich, auch wenn nur eine von beiden z.B. mit einer Lampe angestrahlt wird", so Prof. Wilhelm. Ist eine Pupille weiter als die andere oder reagieren eine oder beide nicht auf Lichteinfall, ist das ein Zeichen für eine Funktionsstörung, die durch eine Augenerkrankung oder neurologische Störung verursacht werden kann. Auch Medikamente oder Drogen beeinflussen die Funktion unserer Pupillen.

"Schau mir in die Augen, Kleines!"

Schon in der Antike galten große Pupillen als ansprechend, sympathisch und erotisch. Mit Augentropfen versuchten Römerinnen, ihre Pupillen zu vergrößern, um noch attraktiver zu erscheinen. Auch Gemütsbewegungen wie Angst, Ärger oder Freude können für eine Vergrößerung der Pupille verantwortlich sein. So ist das Studium der Pupille unter Umständen auch bei der Verfolgung und Aufklärung von Straftaten hilfreich. Besonders enge Pupillen können einem Polizisten Hinweise auf eine mögliche Heroinkonsum geben, auffällig weite Pupillen können dagegen auf Kokain- oder Ecstasy-Konsum hinweisen. Natürlich sind derartige Hinweise kein Ersatz für eine weiterführende Diagnose, denn sie können auch durch die oben beschriebenen Gemütsbewegungen verursacht sein.

Ursachen von Pupillenstörungen

Die optische Funktion der Pupille im Auge ist mit der einer Kamerablende vergleichbar. Indem sie sich vergrößert oder verkleinert wird der Lichteinfall ins Auge geregelt. Fachärzte können von einer auffälligen oder gestörten Pupille auf versteckte, körperliche Erkrankungen wie z.B. Nervenschädigungen oder sogar Gehirnblutungen schließen. "Obwohl eine Pupillenstörung auf den ersten Blick nicht gefährlich erscheint, kann eine komplexe Erkrankung dahinter stecken, die fachärztlich behandelt werden muss", erklärt Dr. Thomas Scharmann, Augenarzt und Präsident der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände Bayerns. Eine Vergrößerung der Pupille kann bei einem Kopftrauma vorkommen, z.B. nachdem ein Kind vom Wickeltisch gefallen ist. Eine mögliche Ursache für die Pupillenstörung ist hier eine Einblutung ins Gehirn, die sofort operativ gestoppt werden muss. Die aufmerksame Beobachtung der Pupillen ist in solch einem Fall lebensrettend. Normalerweise sind gering unterschiedliche Pupillen keine Seltenheit und harmlos. Patienten, die darüber beunruhigt sind, sollten zur Sicherheit einen Augenarzt aufsuchen. Eine Erweiterung der Pupille könnte auch durch den Kontakt mit bestimmten Pflanzen verursacht werden, so enthalten z.B. die Engelstrompeten eine hohe Konzentration an pupillenerweiternden Giften. Daneben können Augenerkrankungen wie Glaukom oder Regenbogenhautentzündung Pupillenstörungen hervorrufen. "Bereits mit einem einfachen Blick auf die Pupille kann der Facharzt manchmal eine erste Diagnose stellen", erklärt Dr. Scharmann.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
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