Pressearchiv BVA 2003

Strahlen statt schneiden

Düsseldorf, 25.06.2003 - Verschiedene Laser bedeuten Hoffnung bei häufigen Augenkrankheiten

CO2-Laser, Neodym-YAG-Laser, Argon-Laser, Diodenlaser, Excimer-Laser - wer glaubt, dass Augenärzte mit nur einem einzigen Lasergerät Fehlsichtigkeiten, Starerkrankungen und Netzhautschäden behandeln, der irrt. Seit der Erfindung des Lasers 1960 und seiner Einführung in die Augenheilkunde bereits ein Jahr später (1) hat die moderne Technik längst eine Vielzahl von Behandlungsmethoden hervorgebracht, die blutige Eingriffe mit dem Skalpell überflüssig machen. Das Auge, unser wichtigstes und zugleich empfindlichstes Sinnesorgan, ist ein Leben lang ununterbrochen im Einsatz. Diese Dauerbelastung geht auf Kosten der Sehkraft. "Seit einigen Jahren werden Laserstrahlen bei verschiedenen Augenkrankheiten gezielt mit großem Erfolg eingesetzt", weiß Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA). "Am bekanntesten und spektakulärsten ist dabei die Behandlung von Fehlsichtigkeiten." Bei Einrissen und Löchern in der Netzhaut, bei denen ein Verlust der Sehkraft droht, kann eine Laserbehandlung das Augenlicht retten. Hier bietet der Argon-Laser die Möglichkeit, die Ablösung der Netzhaut zu vermeiden. Langwierige Operationen in Vollnarkose, die das Auge und auch den gesamten Organismus stark belasten können, gehören damit häufig der Vergangenheit an. Ein Infektionsrisiko, das sich bei einer "offenen" Operation am Auge nicht vermeiden lässt, kann beim Laser ausgeschlossen werden. Mit Laserkraft arbeitet der Augenarzt schnell, sanft und mit großer Präzision, Komplikationen sind sehr selten. Weitere sehr häufige und segensreiche Laseranwendungen am Auge sind die Behandlungen bei Diabetesschäden der Netzhaut und die Beseitigung einer erneuten Trübung ("Nachstar") nach einer Operation des grauen Stares.

Laser macht Brille überflüssig

LASIK (Laser in situ Keratomileusis) heißt das Zauberwort für viele Patienten, die nicht länger eine Brille oder Kontaktlinsen tragen möchten. Kurzsichtigkeit bis zu -10 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis zu +5 Dioptrien und Hornhautverkrümmungen bis zu 3 Dioptrien lassen sich heute mit dieser moderner Technik in vielen Fällen "weglasern", Alterssichtigkeit ist allerdings nur mit einer Lesebrille auszugleichen. LASIK ist die am häufigsten angewandt Methode, im Jahr 2001 ließen sich 60.000 Menschen in Deutschland damit ihre Augen korrigieren. Hierbei wird ein flacher Schnitt in der Hornhaut vorgenommen, so dass das obere Stück wie ein kleiner Deckel zurückgeklappt werden kann. Im Gegensatz zu anderen Operationsmethoden wird dabei das Innere der Hornhaut abgeschliffen und nicht deren Oberfläche, dadurch kann das Risiko einer Sehminderung oder verzögerten Heilung weiter reduziert werden.

Laser rettet Augenlicht bei Diabetikern

"Netzhauterkrankungen wie die gefährliche diabetische Retinopathie können mit Laserstrahlen gestoppt werden," weiß Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des BVA. Hier ist vor allem die rechtzeitige Diagnose durch den Augenarzt wichtig, um Schäden der Netzhaut frühzeitig zu erkennen. Blutgefäße, die durch diese Stoffwechselerkrankung beschädigt sind, bergen ein hohes Risiko für Blutungen ins Augeninnere und Netzhautablösungen, die zur Erblindung führen können. Wo das Skalpell beschädigte Blutgefäße nur schwer erreicht, kann mit dem Laserstrahl (Argon-Laser) präzise eine Behandlung erfolgen.

Laser kann die im Alter sehr häufige Makuladegeneration aufhalten

Bei den über 65-Jährigen ist jeder Vierte von der Makuladegeneration, die durch Alterungsvorgänge in der Netzhaut auftritt, betroffen (2). Diese Makuladegeneration schränkt das Sehvermögen oft so stark ein, dass die Betroffenen nicht mehr lesen und ihren Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe bewerkstelligen können. Besonders schwere Schäden richtet die "feuchte" Makuladegeneration an, denn dabei wachsen fehlgebildete Blutgefäße unter der Netzhaut. Innerhalb von wenigen Jahren können Betroffene ihre Sehschärfe auf beiden Augen verlieren. Mit einer neuer Speziallaser-Behandlung können jetzt sogar schwere Formen der Makuladegeneration gestoppt werden, die bisher als unheilbar galten. Dr. Alf Reuscher, Laserspezialist vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) erklärt: "Die sogenannte photodynamische Therapie sorgt für eine Rückbildung der fehlgebildeten Blutgefäße, ohne andere Bereiche der Netzhaut zu beschädigen. Dabei wird in die Armvene ein Medikament gespritzt, das über den Blutkreislauf auch in die Gefäße der Augen-Netzhaut gelangt. Dort wird es durch eine gezielte Belichtung im Rahmen der photodynamischen Therapie nur an den Stellen aktiviert, wo die fehlgebildeten Gefäße verödet werden sollen." Mit der neuen Lasertherapie ist es jetzt sogar möglich Gefäße zu verschließen, die unter die Netzhaut gewachsen sind. Flüssigkeitsansammlungen werden gezielt entfernt und intakte Sinneszellen zur Regeneration angeregt.

Laser: Starerkrankungen endlich heilen

Die Operation des Grauen Stares ist heute längst ein Routine-Eingriff. Die meisten der über 65-Jährigen sind in Deutschland von dieser typischen altersbedingten Augenerkrankung betroffen (3). Das Ersetzen des getrübten Linsenkerns durch eine Kunstlinse verläuft in den meisten Fällen ohne Komplikationen und gibt den Betroffenen ihr Sehvermögen zurück. Dennoch kann es vorkommen, dass sich die Linsenkapsel, die bei der Operation im Auge belassen wird, nach der Operation eintrübt ("Nachstar") und ein weiterer operativer Eingriff erforderlich wird. Eine unkomplizierte Nachoperation ohne Skalpell ermöglicht der Neodym-YAG-Laser. Ohne stationären Aufenthalt, ohne Betäubung und ohne erneute Öffnung des Auges ist damit eine schnelle Behandlung des Nachstars mit sofortiger Sehverbesserung möglich.

Grüner Star: sanfte OP mit Laser

Laser werden u.a. auch zur Behandlung bestimmter Formen des Glaukoms (grüner Star) eingesetzt. Hier kann eine "unblutige" Laserbehandlung die Erblindung verhindern. Beim Grünen Star ist der Abfluss des Wassers im Augeninnern gestört. Der durch diesen "Wasserstau" erhöhte Druck im Auge kann zu einer Schädigung des Sehnervs und zu eine Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes führen. Mit Lasertechnik wird der Abfluss des gestauten Wassers verbessert ohne dass der Arzt ein Skalpell benutzen muss.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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