Pressearchiv BVA 2003

Vorsicht vor "ansteckenden" Tränen

Düsseldorf, 05.03.2003 - Augenärzte warnen: Bindehautentzündung hat verschiedene Ursachen und muss richtig behandelt werden

600 Millionen Pollen produziert jeder einzelne Haselstrauch in deutschen Gärten und Grünflächen. Viele dieser Sträucher beginnen schon im Februar zu blühen und lösen bei Allergikern die bekannten quälenden Symptome aus: Schnupfen mit Niesreiz, Bindehautentzündungen und juckende, tränende Augen. Über 13 Millionen Menschen in Deutschland leiden alljährlich unter Heuschnupfen. Doch nicht immer ist eine Allergie für die roten Augen verantwortlich. Eine virale oder bakterielle Infektion kann ebenso "ins Auge gehen" wie das bekannte Leiden der trockenen Augen. Nur ein Augenarzt kann mit einem speziellen Mikroskop die wahre Ursache von roten Augen erkennen. Vor einer unüberlegten Behandlung mit Augentropfen, die in der Apotheke ohne Rezept erhältlich sind, raten Augenärzte dringend ab. Eine schnelle Selbstdiagnose ohne ärztliche Untersuchung schadet nicht nur den eigenen Augen, sondern möglicherweise auch denen von Familie und Freunden. "Eine virale oder bakterielle Bindehautentzündung kann sich von einem Auge auf das andere ausbreiten, vor allem, wenn Patienten sich oft die Augen reiben", erklärt Dr. Uwe Kraffel, erster Vorsitzender des BVA. Auch andere Personen, die das gleiche Handtuch benutzen, können sich anstecken. Erkrankte sollten daher nur das eigene Handtuch verwenden. Bei einer Bindehautentzündung empfiehlt Dr. Kraffel spezielle Augentropfen, die nicht die Symptome künstlich unterdrücken, sondern direkt in den Entzündungsablauf eingreifen und so die Beschwerden gezielt und dauerhaft bekämpfen. Um das Auge von Schorf und eventuellem Sekret zu reinigen und um die Reizung zu lindern, sollte man es mehrmals täglich mit klarem, lauwarmen Wasser spülen. Zur Trocknung empfehlen sich Einwegtaschentücher, die man nach dem Benutzen entsorgt.

Rote Augen richtig heilen

Die Bindehaut befindet sich auf der Innenseite der Augenlider und auf dem anliegenden Augapfel. Gerötete Augen sind ein typisches Symptom bei einer Bindehautentzündung. Das Auge sondert ein Sekret ab und die Bindehaut schwillt an. Bei einer allergischen Bindehautentzündung kommt häufig noch ein starkes Jucken hinzu. "Augentropfen, die eine schnelle Hilfe bei roten Augen versprechen, enthalten oft schädliche 'Weißmacher'", warnt Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). "Viele Augentropfen bekämpfen nur die Symptome von roten Augen, indem sie die Reizung und Rötung für einige Stunden unterdrücken. Da damit nicht die Ursache der Erkrankung behoben werden kann, kehrt die Rötung der Augen meist schnell zurück. Patienten, die dann erneut zum 'Weißmacher' greifen, geraten in einen Teufelskreis und sorgen damit unbewusst für immer schlimmere Beschwerden, die ein Augenarzt mit der richtigen Diagnose rechtzeitig hätte verhindern können". Vor allem bei älteren Menschen ist oft ein "trockenes Auge" Ursache für Rötung und Fremdkörpergefühl. Hier ist eine richtige Behandlung angesagt, da es sonst zu einem Verlust der Sehleistung oder zu Komplikationen wie Narbenbildung kommen kann. Weißmachende Augentropfen bedeuten auch bei diesem Krankheitsbild nur Schaden und keinen Nutzen.

Allergie oder nicht Allergie?

Augentränen, Augenjucken, Schnupfen, Husten, Atemnot, Asthma, Müdigkeit etc. sind die typischen Symptome, mit denen der Körper von Allergikern auf den Kontakt mit Blütenpollen reagiert. Von Januar bis Ende September schwirrt der Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Kräutern durch die Luft und bereits wenige von diesen Körnchen können beim Kontakt mit den Schleimhäuten in Nase oder Auge die bekannten, unangenehmen Reaktionen auslösen. In der sommerlichen Hochzeit des Pollenfluges enthält ein Kubikmeter Luft sogar bis zu 500 Gräser- und Kräuterpollen. Dennoch ist der Heuschnupfen nur eine einzige mögliche Ursache von roten Augen. Auch andere Erkrankungen oder ganzjährige Allergien gegen Hausstaub, Milben oder Haustiere sorgen für eine lästige Entzündung der Bindehaut. Nur eine augenärztliche Untersuchung bringt Gewissheit, welche Therapie gegen die Beschwerden sinnvoll ist. Eine allergische Bindehautentzündung unterscheidet sich für den erfahrenen Augenarzt am Biomikroskop deutlich von "roten Augen" anderer Ursache.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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