Pressearchiv BVA 2004

Augenärzte warnen vor Hausarztmodellen

Düsseldorf, 20.04.2004 - Vor einer kritiklosen Einführung von Hausarztmodellen warnt der Berufsverband der Augenärzte (BVA) in Düsseldorf. Einerseits kann die hausärztliche Betreuung von Patienten wichtig sein, andererseits bergen Hausarztmodelle erhebliche Risiken in sich und verursachen oft unsinnige und überflüssige Kosten.

Patienten, bei denen die Sehkraft schnell nachlässt (z.B. bei einer Netzhaut-Ablösung) oder auch schleichend (z.B. bei einer Maculadegeneration), müssen unverzüglich augenärztlich untersucht und angemessen behandelt werden. Bei entzündlichen Augenerkrankungen muss geklärt werden, ob gefährliche Folgen im Augeninneren aufgetreten sind, bei chronischen Erkrankungen wie beim Grünen Star ist langjährige augenärztliche Begleitung ohnedies unumgänglich. "In all diesen Fällen macht es keinen Sinn, eine Überweisung vom Hausarzt zu fordern. Die ausgelösten Kosten nur durch den Umweg über den Hausarzt sind meist höher als die Kosten der gesamten augenärztlichen Untersuchung und Behandlung, die anschließend doch noch in jedem Falle notwendig wird," so Professor Dr. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des BVA. Gerade in der Augenheilkunde kann der (mündige) Patient gut beurteilen, ob augenfachärztliche Behandlung angebracht ist. Zum gefährlichen Zeitverzug kommt es für Patienten und zu erhöhten Kosten für die Solidargemeinschaft der Versicherten, wenn zunächst beim Hausarzt eine Überweisung besorgt werden muß. Für den Patienten belastend ist außerdem der Weg zu einem weiteren Arzt und eine weitere Wartezeit. Patienten müssen bedenken, dass sie mit einem Hausarztmodell ihre Selbstbestimmung und die Entscheidung, zum Facharzt zu gehen, aufgeben. Ob die Qualität ärztlicher Behandlung dadurch verbessert wird, muss bezweifelt werden. "Wir sind für das Recht jedes in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherten, sich jederzeit selbst den Arzt auszuwählen, den er aufsuchen möchte. Hausarztmodelle müssen sinnvoll sein und dürfen nicht für die Patienten zu vermehrtem Aufwand ohne Nutzen und für die Krankenkassen zu höheren Kosten führen, wie dies bei dem jetzt geplanten Hausarztsystem der Fall sein wird", so Dr. Uwe Kraffel, erster Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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