Pressearchiv BVA 2004

Plötzliche Fehlsichtigkeit als Zeichen für Diabetes

Düsseldorf, 12.02.2004 - Seit Beginn des Jahres haben nur noch Patienten mit schweren Sehfehlern Anspruch auf eine Kostenübernahme bei Sehhilfen. Die meisten Patienten können deshalb nicht mehr auf einen Brillenzuschuss hoffen.

Augenärzte befürchten deshalb, dass Patienten aus Kostengründen auf die wichtige, regelmäßige Augenkontrolle verzichten werden. Dr.med. Uwe Kraffel, Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA) warnt: "Eine plötzliche Sehverschlechterung kann auch Anzeichen für Diabetes, Bluthochdruck oder für eine Starerkrankung sein, die ärztlich behandelt werden muss. Hier genügt es nicht, im Geschäft eine neue Brille mit anderen Gläsern zu bestellen. Der Augenarzt stellt bei Bedarf weiterhin eine Brillenverordnung aus, auch wenn die Brille selbst von der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr bezahlt wird. Und er ist der einzige, der bei der Augenkontrolle Hinweise auf versteckte Krankheiten erkennen kann." Die Augenkontrolle ist für Nicht-Brillenträger genauso wichtig wie für Patienten mit Sehhilfe. Laut Brillenstudie 2002(1) beteiligt sich nur jeder zweite Nicht-Brillenträger an regelmäßigen Augenüberprüfungen. Der BVA fürchtet, dass sich diese Zahl nach der Gesundheitsreform weiter verschlechtern wird. Augenärzte raten deshalb dringend: "Jede Veränderung der Sehleistung sollte von einem Augenarzt kontrolliert werden, denn sogar eine scheinbare Verbesserung der Sehfähigkeit kann auf eine Erkrankung hindeuten." Dem Patienten erwachsen keine weiteren Kosten, er erhält gleichzeitig eine unabhängige und neutrale Beratung.

Der Blutzuckerspiegel kann die Sehleistung verändern

Dr. Georg Eckert, Pressesprecher des BVA: "Bei einem ca. 50-jährigen Patienten von mir ist aufgefallen, dass er bei der Arbeit am Bildschirm plötzlich keine Brille mehr benötigte. Gleichzeitig hatte er Schwierigkeiten, in weiter Entfernung scharf zu sehen. Eine derartige plötzliche Verbesserung der Nahsicht, die mit einer verschlechterten Fernsicht verbunden ist, deutet auf Diabetes im Frühstadium hin. Eine Überweisung zum Hausarzt oder Internisten ist dringend erforderlich. Der Verdacht hat sich bestätigt und bei dem Patienten musste der Blutzucker eingestellt werden. Eine Brille war in diesem Fall nicht die richtige Lösung." Vor allem beim sogenannten "Altersdiabetes" (Typ II) gibt es wenig Symptome. Der Diabetes wird daher oft nicht erkannt. Eine Netzhautuntersuchung ist eine der wenigen Möglichkeiten, den Altersdiabetes zu entdecken, denn ca. jeder Dritte Betroffene weist deutlich sichtbare Netzhautschäden auf (diabetische Retinopathie). Der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes von 2003(2) gibt die Prognose, dass sich die Anzahl der Diabetiker in Deutschland bis zum Jahr 2010 verdoppeln wird. Der Bericht weist auch auf eine Untersuchung hin, wonach in Augsburg in der Altersgruppe der 55- bis 74jährigen jede zweite Diabetes-Erkrankung unerkannt bleibt. "Diese erschreckenden Ergebnisse sind durchaus auf das gesamte Bundesgebiet übertragbar," so Dr. Kraffel. "Jedes Jahr erblinden in Deutschland ca. 4.000 Diabetiker. Nur regelmäßige Kontrollen können helfen, um diabetesbedingte Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln."

Augen verraten Bluthochdruck, Starerkrankung oder Uveitis

Bei einer spät auftretenden Kurzsichtigkeit sind Augenärzte gewarnt. Aus ihrer Erfahrung wissen sie, dass sich dahinter eine ernste Krankheit verbergen kann. Denn eine "normale" Kurzsichtigkeit entsteht in der Regel bereits im Schulalter. "Vor allem die Untersuchung des Augenhintergrundes gibt deutliche Hinweise auf krankhafte Veränderungen", so Dr. Eckert. "Kleine Blutungen der Augengefäße, gestaute Äderchen, kleine geplatzte Gefäße sind beispielsweise typische Anzeichen für Bluthochdruck. Erst nach einer medikamentösen Einstellung des Blutdrucks, kann der Augenarzt dann bei Bedarf eine Bestimmung der Gläserstärke vornehmen". Auch Glaukom (Grüner Star), Grauer Star, Uveitis (Entzündung im Augeninneren) oder sogar ein Tumor können sich über Warnhinweise im Auge bemerkbar machen. Daher setzt sich der Berufsverband der Augenärzte auch nach der Gesundheitsreform für eine regelmäßige Untersuchung der Augen ein. "Patienten sollten über den Wegfall des Kassenrezeptes nicht gezwungen werden aus Kostengründen an ihrer Gesundheit zu sparen", mahnt Dr. Kraffel.

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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