Pressearchiv BVA 2005

Kopfwehbrillen: Wenn das Auge den Optiker austrickst - Berufsverband der Augenärzte: Zu viele Menschen tragen eine falsche Brille

Düsseldorf, 27. Oktober 2005 – Die neuen Regelungen im Gesundheitswesen halten viele Menschen davon ab, zum Facharzt zu gehen – oft mit fatalen Folgen. Beispiel Brillenträger: Ohne augenärztliche Untersuchung sind viele Sehhilfen unzureichend auf das Auge abgestimmt und können deswegen Kopfschmerzen auslösen. Grund: Das Organ kann sich über einen längeren Zeitraum hinweg an eine falsche Gläserstärke anpassen. Es kompensiert den nötigen Unterschied durch Muskelarbeit. Den Optiker kann es beim Sehtest für das neue Brillenmodell auf diese Weise einfach austricksen. Daraus resultiert schnell eine falsche Messung der benötigten Brillenstärke. Oft ist diese so genannte Akkommodation des Auges beim einfachen Sehtest nicht erkennbar. Für den Patienten entstehen damit aber unter Umständen jahrelange Beeinträchtigungen durch Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen. Prof. Wolfgang Haase vom Berufsverband der Augenärzte e.V. (BVA) erklärt, warum: „Wenn das Auge akkommodiert, heißt das, dass der Ringmuskel im Auge den Unterschied zwischen den tatsächlichen Dioptrienwerten und den Brillengläsern ausgleicht. Er zieht sich zusammen und steuert so die Wölbung der Linse und damit die scharfe Abbildung auf der Netzhaut. Der Patient sieht dann zwar ganz normal, sein Ringmuskel muss sich allerdings ständig übermäßig anstrengen und bereitet ihm auf Dauer Beschwerden.“ Eine Brillenbestimmung sollte daher auf alle Fälle beim Augenarzt stattfinden. Denn bei der augenärztlichen Untersuchung kann gegebenenfalls der Muskel mit leichten Medikamenten entspannt werden. Und dann ist es möglich, die korrekten Werte der Refraktion, also der Fehlsichtigkeit, zu messen.

Skiaskopie statt Sehtest für kleine Kinder

Für die erste Anpassung von Brillen und zu einer Kontrolluntersuchung sollten Patienten immer zum Facharzt gehen, so die Empfehlung des BVA. Vor allem bei Kindern ist das wichtig, wenn sie schielen oder eine Brille angepasst werden soll.

Denn bei einem normalen Sehtest können sie selbst meist selbst gar nicht beurteilen, wie gut ihre Sehkraft ist. Der Augenfacharzt hat die Möglichkeit, bei seiner Untersuchung eine so genannte Skiaskopie durchzuführen.

Dabei lässt er Licht durch die Pupille einstrahlen. So kann er ganz genau die Brechung der Strahlen im Auge bestimmen. Wenn er mit Hilfe von Medikamenten den Ringmuskel im Auge entspannt hat, kann er bei entspannten Augen auch verdeckte Fehler der Optik feststellen und bei geweiteter Pupille den Augenhintergrund genau untersuchen.

Für einen Augenarzt sind diese Vorgänge Routine, denn durch jahrelange Fortbildung und viele tägliche Refraktionsuntersuchungen beherrscht er diese Fähigkeit perfekt. Der entscheidende Vorteil der Fachärzte ist, dass sie die gründliche Basisuntersuchung des Auges immer unter Berücksichtigung anderer möglicher Krankheiten des Patienten durchführen. Denn nur so ist eine verlässliche Diagnose und eine individuelle Therapie möglich.

Jahrelang mit Kopfweh muss nicht sein

Immer häufiger beobachten Augenärzte erhebliche Probleme, wenn Brillen ohne das spezielle medizinische Know-How des Augenarztes angepasst wurden und dann Probleme bereiten. „Es ist nicht selten, dass ein Patient erst nach jahrelangen Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen oder auch mit Prismenbrille zur Behandlung kommt und sich dann herausstellt, dass die Brille eine zu schwache Stärke aufwies“, erklärt Prof. Haase.

Erst mit einer Skiaskopie unter harmlosen Augentropfen, die der Optiker nicht durchführen kann, ermittelt der Facharzt dann die richtige Brillenstärke. Die Beschwerden, welche auch den Alltag der Patienten stark beeinflussen sind vermeidbar, wenn man gleich den Augenarzt aufsucht.

„Auch wenn man für den Brillenkauf noch zum Optiker gehen muss, sollte man die augenärztliche Untersuchung nicht auslassen“, so Dr. Uwe Kraffel, 1. Vorsitzender des BVA. „Mit der Facharztkompetenz fürs Auge kann der Augenarzt am besten die Sehkraft und das Auge beurteilen, der Optiker wird die vom Augenarzt verordneten Werte dann in das handwerklich ordentlich gefertigte und schicke Brillenmodell umsetzen.“


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