Pressearchiv BVA 2005

Rauchen kann zur Erblindung durch Makuladegeneration führen - eine bisher unbekannte Gefahr

Frankfurt, 20. September 2005 – Rauchen verursacht nicht nur tödliche Krankheiten wie Herzinfarkte und Lungenkrebs, es ist auch eine wesentliche Ursache für die Behinderung, die die meisten Menschen am meisten fürchten: Erblindung.

Nach einem von der AMD Alliance International herausgegebenen Bericht sind sich jedoch die wenigsten unter uns der Verbindung zwischen Rauchen und Erblindung bewusst, ein Befund, der auch in anderen Ländern zutrifft und den die AMD Alliance International als „besorgniserregend“ bezeichnet.

„Rauchen ist der einzige erwiesene kontrollierbare Risikofaktor für altersabhängige Makuladegeneration oder AMD, eine Augenkrankheit, die die Welt-Gesundheitsorganisation als die führende Ursache für Erblindung in entwickelten Ländern anerkannt hat,“ erklärt Prof. Frank Holz, Vertreter der DOG und Mitglied des Wissenschaftsbeirats der AMD Alliance International.

Der Bericht bezieht sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie über die Verbindung zwischen Rauchen und AMD, in der dieselben Kriterien angewendet wurden, die benutzt worden sind, um den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs zu beweisen. Die Studie zeigt, dass Rauchen Erblindung durch AMD verursacht. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen zeigen, dass Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein mindestens doppelt so hohes Risiko tragen, an AMD zu erkranken und ihr Augenlicht zu verlieren.

Der Kenntnisstand zur AMD selbst ist jedoch äußerst gering. Interviews mit 15.000 Menschen in 14 Ländern, die von EOS Gallup Europe im Auftrag der AMD Alliance International durchgeführt wurden, zeigen, dass in Deutschland lediglich 14% der Befragten mit AMD etwas anzufangen wissen. In den USA, Kanada und Australien ist der Bekanntheitsgrad der AMD mit 20 bis 30% etwas höher, in Hongkong, Italien, Spanien, den Niederlanden und Japan liegt er jedoch sogar unter 10%.

Global zeigte die Umfrage, dass selbst von denjenigen, denen AMD bekannt war nur 32% Rauchen als Risikofaktor nannten. In Deutschland lag der Anteil wesentlich höher bei 59%. Allerdings war die Stichprobe zu klein, um dies als eine statistisch zuverlässige Aussage anzusehen. Dennoch konstatiert Rainald von Gizycki, Ehrenpräsident der Pro Retina und Mitglied des Vorstands der AMD Alliance International, in diesen Ergebnissen eine besorgniserregende Wissenslücke: „Viel zu viele Menschen in Deutschland fehlt das Wissen, um wichtige Entscheidungen zu treffen, die dazu beitragen, die Gesundheit ihrer Augen zu schützen. Patienten verlieren ihr Sehvermögen obwohl es in vielen Fällen verhindert werden könnte.“

Pauline Edwards sieht das genauso: „Wenn man mir gesagt hätte, dass ich erblinden könnte, weil ich rauche, hätte ich sicher schon viel früher aufgehört.” Die 50-jährige Krankenschwester aus Großbritannien ist auf einem Auge sehbehindert und wird wahrscheinlich durch AMD ihr Sehvermögen auch auf dem anderen Auge verlieren. „An dem Tag, als ich von dem Zusammenhang erfuhr, habe ich sofort aufgehört zu rauchen“.

Zumindest einem Land ist es jedoch gelungen, die Wissenslücke zu schließen. Von der Regierung finanzierte Öffentlichkeitsarbeit in Australien hat durch eine landesweite Werbekampagne mit aufrüttelnden Bildern über den Zusammenhang zwischen Rauchen und Erblindung gewarnt. Die Zahl der Anrufe bei Telefonberatungsstellen ist gestiegen, ein überzeugender Beweis, dass die Angst vor Erblindung ein wirksamer Anreiz ist, das Rauchen aufzugeben.

„Wir haben zwei Grundanliegen“ erklärt Prof. Bernd Bertram, Vertreter des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands bei der AMD Alliance International. „Erstens möchten wir die offiziellen Stellen in Deutschland dazu aufrufen, die Bevölkerung über die Verbindung zwischen Rauchen und Makuladegeneration zu informieren. Wir halten dies für eine moralische Verpflichtung, die aber in Hinblick auf die durch AMD entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem und die langfristige Versorgung von Betroffenen auch wirtschaftlich Sinn macht. Zweitens ist unser Aufruf an den Einzelnen, nicht zu rauchen bzw. ernsthafte Schritte zu unternehmen, um aufzuhören.“

Die deutschen Mitglieder der AMD Alliance International – Pro Retina Deutschland, der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft – werden die diesjährige Woche des Sehens vom 10. – 15. Oktober unter anderem dazu benutzen, um die Öffentlichkeit über die Risiken des Rauchens in Bezug auf die altersabhängige Makuladegeneration aufzuklären.

Die AMD Alliance International ist eine globale gemeinnützige Koalition von 55 Organisationen aus 21 Ländern, die sich bemüht, altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die führende Ursache für Sehbehinderung in Industrieländern, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Allianz setzt sich für Prävention, sowie den Zugang zu medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und Rehabilitationsmaßnahmen ein. Sie befürwortet erhöhte Anstrengungen im Bereich der medizinischen Forschung, sowie eine Gesundheitspolitik, die sicherstellt, dass Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten allen Menschen mit AMD, unabhängig von ihrer finanziellen Lage, offen stehen.

Pro Retina ist mit 6000 Mitgliedern die größte Patientenorganisation für Menschen mit Netzhauterkrankungen in Deutschland. Seit 1977 vertritt die Vereinigung die Interessen der Patienten, berät Betroffene in medizinischen, sozialen und psychosozialen Fragen sowie bei der Auswahl von Hilfsmitteln. Pro Retina fördert die Forschung mit dem Ziel, eine Therapie zu finden u. a. auch durch ihre „Stiftung zur Verhütung von Blindheit“. Ein Kuratorium sowie ein Wissenschaftlicher und Medizinischer Beirat (WMB) begleiten diese Arbeit.

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) setzt sich als berufspolitische Interessensvertretung der deutschen Augenärzte für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Augenärzte, zu den auch eine leistungsgerechte Honorierung gehört, ein. Er verteidigt die augenärztliche Tätigkeit gegen Eingriffe von außen. Der BVA fördert die Qualität der Augenheilkunde als Veranstalter von augenärztlichen Fortbildungskongressen und durch umfassende medizinische und standespolitische Informationsbereitstellung für seine Mitglieder und für Dritte (z.B. Patienten, Ärzteorganisationen, Politik). Der BVA unterstützt seine Mitglieder in Fragen augenärztlicher Tätigkeit bei Diagnostik und Therapie und durch umfassende Beratung in Angelegenheiten rund um die augenärztliche Berufsausübung.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, DOG (www.dog.org), fördert die Augenheilkunde in Deutschland und vertritt die wissenschaftliche Ophthalmologie gegenüber Behörden, den ärztlichen Körperschaften und anderen wissenschaftlichen Gesellschaften. Die DOG trägt maßgeblich zur Qualität der ophthalmologischen Versorgung bei u.a. durch ein eigenes Publikationsorgan (Der Ophthalmologe) und durch Abhaltung von Kongressen, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen.


Downloads

PDF Version

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

Zum Seitenanfang