Pressearchiv BVA 2006

Diabetische Retinopathie ist dritthäufigste Erblindungsursache - Woche des Sehens thematisiert Folgeerkrankung der Volkskrankheit Diabetes

Düsseldorf, 05. Oktober 2006 – Sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit Diabetes mellitus. Diese Zahl nimmt ständig zu, trotzdem wissen selbst Diabetiker oftmals nicht, welche Folgeerkrankungen die Zuckerkrankheit nach sich ziehen kann. So schädigt der gestörte Blutzuckerhaushalt bei vielen Patienten die Netzhaut, die Retina. Deshalb ist die diabetische Retinopathie eines der zentralen Themen der diesjährigen Woche des Sehens (9. bis 15. Oktober).

„Die Patienten wissen oftmals nicht, in welchem Ausmaß sich ihre Stoffwechselstörung am Auge niederschlägt und wie wichtig es ist, dass Veränderungen am Augenhintergrund von Anfang an von einem Augenarzt überwacht werden“, erklärt Prof. Bernd Bertram, Zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA). Netzhautschäden durch Diabetes sind in Deutschland die dritthäufigste Erblindungsursache und sogar die häufigste bei Menschen im Alter von 40 bis 80 Jahren. Nur durch regelmäßige augenärztliche Betreuung und die stadiengerechte Therapie kann das Risiko zu erblinden gebannt werden. „Ein Diabetes-Patient sollte mindestens einmal im Jahr einen Augenarzt aufsuchen, denn wie bei so vielen Krankheiten ist auch bei der Diabetischen Retinopathie Früherkennung Voraussetzung für eine bestmögliche Therapie“, sagt Dr. Uwe Kraffel, Erster Vorsitzende des BVA.

Symptome rechtzeitig behandeln

Der Diabetes schädigt die Gefäße und verursacht so Durchblutungsstörungen der Netzhaut. Die Folge davon sind Veränderungen am Augenhintergrund mit Narbenbildungen, die zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen können. Etwa 90 Prozent der Typ-1-Diabetiker und 25 Prozent der Typ-2-Diabetiker erkranken nach 15 Jahren Diabetes zumindest an einer milden Form der Diabetischen Retinopathie. „Oftmals bemerkt ein Diabetiker die sein Sehvermögen zerstörenden Veränderungen lange Zeit nicht und hier liegt auch die Gefahr der Erkrankung“, sagt Prof. Bertram. Die Patienten werden sich einer Sehminderung wie verschwommenes oder verzerrtes Sehen oder gar „blinder Flecken häufig erst bewusst, wenn die Sehzellen in der Netzhautmitte (Makula) bereits geschädigt sind. Meist ist es dann allerdings zu spät, das Sehvermögen möglichst uneingeschränkt zu erhalten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass jeder Betroffene gleich nach der Diagnose „Diabetes“ seinen Augenarzt aufsucht, sodass er durch regelmäßige Kontrollen und rechtzeitige Therapie schlimmere Folgen, wie das Erblinden, verhindern kann.

Unter dem Motto "Blindheit verstehen. Blindheit verhüten" leisten acht Trägerorganisationen während der Woche des Sehens durch eine Vielzahl von Aktionen bundesweit intensive Aufklärungsarbeit zur Bedeutung der Augengesundheit, über die Ursachen vermeidbarer Blindheit, die Situation blinder Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern. Mit dem Schwerpunktthema Diabetische Retinopathie wollen die Initiatoren, zu denen auch der Berufsverband der Augenärzte zählt, erreichen, dass die Bevölkerung dieser schweren Augenkrankheit mehr Aufmerksamkeit widmet und dass jeder Diabetiker die Möglichkeiten wahrnimmt, sein Sehvermögen zu erhalten.

Vorbeugung durch Früherkennung

Vollständig heilen kann man eine Diabetische Retinopathie bisher noch nicht. „Aber jeder Patient kann Beginn und Verlauf der Krankheit selber wesentlich beeinflussen, indem er von Anfang seiner Zuckerkrankheit an die Anweisungen seines Hausarztes bzw. Internisten befolgt, den auf ihn abgestimmten Diätplan einhält und auf schädliche Genussmittel - vor allem auf Nikotin – verzichtet,“ sagt Prof.Bertram. Sind bereits Veränderungen des Augenhintergrundes aufgetreten, kann der Augenarzt durch eine Lasertherapie weitere Gefäßschäden unterbinden, indem er die Lichtstrahlen auf die Netzhaut lenkt, die erneute Wucherungen der Blutgefäße verhindern.

„Eine jährliche Vorsorgeuntersuchung des Augenhintergrundes ist für Diabetiker äußerst wichtig. Wenn bereits eine Diabetische Retinopathie vorliegt, ist es ganz entscheidend, dass der Patient jeden Termin wahrnimmt, den sein Augenarzt für Kontrolluntersuchungen angesetzt hat, “ appelliert Prof. Bertram an die Eigenverantwortlichkeit der Mitbürger.


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