Pressearchiv BVA 2006

Lidlifting - nur eine kleine Schönheitsoperation? - Rund ums Auge kann jeder Schnitt ins Auge gehen

Düsseldorf, 12. September 2006 - In wenigen Jahren hat sich die Zahl der in Deutschland vorgenommenen Eingriffe auf dem Gebiet der plastischen und ästhetischen Chirurgie versechsfacht und lag 2005 bei etwa 700 000 pro Jahr. Wie die Gesundheitsministerin in ihrer Warnung vor den Risiken solcher Operationen betonte, zähle rund ein Viertel davon zu den reinen Schönheitsoperationen, die oft fälschlich als „Bagatelle“ angesehen werden. Mit den Folgen dieses Irrtums werden Augenärzte in zunehmendem Maße konfrontiert. „Oft sind es dramatische Veränderungen, die die Funktion des Auges beeinträchtigen“, warnt Prof. Holger Busse, Wissenschaftliches Vorstandsmitglied im Berufsverband der Augenärzte (BVA). Die Gefahr, dass eine Schönheitsoperation zum Krankheitsfall wird, wächst mit den sich rasant vermehrenden Angeboten im Internet von zum Teil selbst ernannten „Schönheitschirurgen“ und „Ästhetikspezialisten“ – Bezeichnungen, die rechtlich nicht geschützt sind, was die Unterscheidung zwischen seriös und unseriös für Patienten so schwierig macht. Warum das Risiko bei Lidkorrekturen ganz besonders hoch ist, liegt auf der Hand: In keinem Bereich der kosmetischen Chirurgie kommen Skalpell oder Laser den Organfunktionen so nahe wie bei Operationen rund ums Auge.

Das Augenlid ist Teil des Auges

So wie die Lippen zum Mund gehören, hängt auch die Funktion des Auges von der des Augenlids ab. Wird bei der Oberlidstraffung z.B. nur ein wenig zu viel Haut entfernt, hat man nicht nur ein kosmetisches Problem; das Auge lässt sich nicht mehr vollständig schließen und ist hochgradig gefährdet, weil es austrocknen kann. Dr. Uwe Press sieht solche und ähnliche schönheitschirurgischen Folgen täglich. Er ist Leiter einer der größten europäischen Spezialkliniken, des Zentrums für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. „Etwa 20 Prozent unserer Patienten kommen mit Augenschäden, die durch eine Schönheitsoperation hervorgerufen wurden. Als vor fünf Jahren dieses „Krankheitsbild“ überhand nahm, haben wir ihm einen Namen gegeben: das Zunakochi-Syndrom (Zustand nach kosmetischer Chirurgie). Man kann den Patienten, die sich aus kosmetischen Gründen eine Lidoperation wünschen, nur raten, bei der Wahl ihres Chirurgen darauf zu achten, dass er sich mit den Gewebsstrukturen im Augenbereich bestens auskennt, also entweder Facharzt für Augenheilkunde ist oder eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert hat.“

Gefährliche Komplikationen sind vermeidbar

Bei der Operation, die Augen und Augenpartie „verjüngen“, geht es nicht allein darum, am Ober- oder Unterlid überflüssige, erschlaffte Haut zu entfernen. Die Blepharoplastik, so nennt man diesen Eingriff, erfordert sehr oft auch eine Reduktion des Fettgewebes, das aus der Augenhöhle hervorquillt. Wenn außerdem das Oberlid herabhängt, muss der Chirurg die Ptosis (medizinische Bezeichnung für diesen Zustand) gleichzeitig mitkorrigieren. Anzahl und Ausmaß der möglichen Komplikationen sind nicht zu unterschätzen. Nur der Facharzt, der sie kennt, kann ihnen begegnen. Dr. Press: „Beim Entfernen des Fettgewebes kommt man dem Muskel sehr nahe, der das Augenlid hebt; wird er versehentlich durchtrennt, fällt das Lid herab. Nicht selten kommen Patienten nach einer Unterlidoperation zu uns mit einem „Tropfauge“ (Ektropium). Das Unterlid ist nach außen gekippt – Folge zu viel entfernter Haut oder falsch zusammengenähter Strukturen. Gefahr für das Sehvermögen besteht, wenn durch Entfernen des Fettgewebes im nasalen Bereich, wo die arterielle Blutversorgung besonders intensiv ist, starke Nachblutungen nach innen auftreten. Wenn sie nicht bemerkt werden und der Patient auch noch mit einem Druckverband nach Hause geht, ist nach zwölf Stunden der Sehnerv zerquetscht und der Patient auf diesem Auge blind. Sollte wirklich mal ein Druckverband erforderlich sein, entfernen wir ihn spätestens nach einer Stunde.“

Nachsorge muss sein

Auch bei einer Schönheitsoperation ist die Nachsorge unverzichtbar. Es könnte z.B. eine Entzündung auftreten, weil der Augapfel unbemerkt verletzt wurde. Nach zwei bis drei Tagen wäre das Auge kaum noch zu retten. Allein das ist schon Grund genug für gründliche postoperative Untersuchungen, wie sie nach „Lidlifting“ beim Augenarzt selbstverständlich sind und dazu gehören natürlich auch Überprüfung der Sehleistung und Kontrolle der Hornhaut.


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Herausgeber:
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