Pressearchiv BVA 2006

Formstabile Kontaktlinsen sind nicht hart - Durch neue Eigenschaften zu hervorragender Verträglichkeit

13.05.2006 - Mit dem längst nicht mehr zutreffenden Begriff „harte Kontaktlinsen“ verbindet sich die falsche Vorstellung von langen, schmerzhaften Eingewöhnungszeiten. Beides ist heute ein Vorurteil - und das hindert viele Menschen daran, sich von dem Zwang zum Brilletragen zu befreien. Der Versuch mit weichen Linsen erfüllt auf die Dauer nicht immer die Erwartungen; bereits nach einem Jahr ist die Zahl der „Aussteiger“ relativ hoch, während Träger formstabiler Linsen ihrem System heute ein Leben lang treu bleiben können. Es lohnt sich also, auf dem Laufenden zu sein.

Formstabile Linsen von heute haben eine extrem hohe Sauerstoffdurchlässigkeit: Sie wird in der Kontaktologie als Dk-Wert angegeben. Zum Vergleich: Eine hochwasserhaltige weiche Linse hat einen Dk-Wert von 27. Erst von einem Dk-Wert von 87 an wird eine Linse für eine verlängerte Tragezeit zugelassen – also auch mal über Nacht. Die modernen formstabilen Linsen haben einen Dk-Wert von 140 und mehr, was allerdings nicht bedeutet, dass sie Tag und Nacht auf dem Auge bleiben sollten.

Dr. Christoph Hallermann vom Ressort Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte erklärt, warum die heutigen formstabilen Linsen nicht mehr hart sind: „Das neue Material ist durch Silikon-Anteile außergewöhnlich sauerstoffdurchlässig geworden. Früher verwendete man Silikon nur für weiche Linsen. Die hatten aber den Nachteil, Wasser abzuweisen und Fett anzuziehen. Die Folge war, dass die Linsen nach einiger Zeit wie benutzte Suppenteller aussahen. Mit der Kombination von Silikon und dem stabilen Material verschwand der Nachteil und gleichzeitig wurden der extrem hohe Dk-Wert und die Flexibilität gewonnen.“

Im Vergleich zur weichen wird die formstabile Linse viel besser vom Tränenfilm unterspült, der sich bei jedem Lidschlag erneuert. Der Tränenfilm transportiert den Sauerstoff und die Nährstoffe. Diese für die Hornhaut lebenswichtige Versorgung kann allein durch Diffusion erfolgen, weil die Hornhaut keine Blutgefäße hat. Die gute Versorgung mit Sauerstoff und der Abtransport von Stoffwechselschlacken verbessert gleichzeitig den Schutz vor Infektionen.

Eine weitere Eigenschaft moderner formstabiler Linsen ist ihre asphärische Rückflächengestaltung, d.h. ihre Form entspricht genau der Hornhautwölbung: in der Mitte sphärisch wie eine Kugeloberfläche und zum Rand hin immer flacher. Durch diese natürliche Passform erhöht sich ebenfalls die Spontanverträglichkeit der Linse. Dr. Hallermann vergleicht ihre Eigenschaften mit denen guter Bergstiefel: „Man muss sie eintragen und sich in der Anfangsphase etwas Zeit lassen. Aber wenn man sich in ihnen heimisch fühlt, zieht man bei jeder Wanderung nur noch diese Schuhe an. Weichlinsen sind wie Pantoffel, schnell ausgelatscht. Bei formstabilen lassen sich die Tragezeiten sogar noch nach einem halben Jahr steigern.“


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