Pressearchiv BVA 2006

Heilend und schmerzstillend - die noch unbekannte Seite der Kontaktlinse

13.05.2006 - Jahr für Jahr ereignen sich etwa 300.000 Augenverletzungen in Deutschland; fünf Prozent davon mit bedrohlichen Auswirkungen wie tiefe Schnittwunden und schwerste Verätzungen. Noch viel häufiger erfordern Infektionen und andere krankhafte Veränderungen der Hornhaut und ihrer Umgebung schmerzstillende und heilende Therapien. Salbenverbände waren bis vor wenigen Jahren fester Bestandteil der Behandlung solcher Augenkrankheiten und –verletzungen. Heute weiß man: Therapeutische Kontaktlinsen wirken effektiver, sie fördern den Heilungsprozess, schützen vor Infektionen und befreien den Patienten nahezu spontan von seinen Schmerzen. Abgesehen von diesen medizinischen Vorteilen, ist die Versorgung mit therapeutischen Linsen anstelle des Augenverbandes auch die ökonomischere Lösung, denn in den meisten Fällen kann der Patient schon zu Beginn der oft viele Wochen dauernden Therapie seine täglichen Aufgaben ohne fremde Hilfe wieder aufnehmen; längere Krankschreibung entfällt ebenso wie die erhöhte Unfallgefahr beim Tragen eines Augenverbandes.

Ein Salbenverband nimmt dem Auge „die Luft zum Atmen“

Der Sportophthalmologe und Spezialist für Kontaktologie Dr. Dieter Schnell stellt während der Kontaktlinsen-Tagung, die der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) vom 13. bis 14. Mai in Wiesbaden veranstaltet, die Ergebnisse einer Verbandlinsen-Studie vor. Sie zeigen eindeutig die Überlegenheit der therapeutischen Linse gegenüber dem Salbenverband, der dazu zwingt, das Auge oft wochenlang ständig geschlossen zu halten, und es noch zusätzlich „abdichtet“.

Doch die Hornhaut braucht Sauerstoff. Allein schon das Defizit, das nachts im Schlaf unter dem geschlossenen Augenlid entsteht, lässt eine gesunde Hornhaut um drei bis vier Prozent aufquellen. Bis sich das morgendliche Hornhautödem zurückgebildet hat, vergehen Stunden. In diesem Zustand ist die Hornhaut besonders empfänglich für Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilze.

Kranke Augen brauchen Speziallinsen

Kontaktlinsen zur Behandlung von Augenverletzungen und Krankheiten des vorderen Augenabschnitts haben exakt definierte Voraussetzungen zu erfüllen, die in wissenschaftlichen Leitlinien festgelegt sind. In wenigen Fällen, wenn die Linse als Medikamententräger dienen soll, muss sie hoch-wasserhaltig sein. In aller Regel aber steht an erster Stelle eine extrem hohe Sauerstoffdurchlässigkeit. Nur die allerwenigsten der zur Korrektur eines Sehfehlers üblichen Kontaktlinsen könnten diesem Anspruch gerecht werden. Je nach Krankheitsbild wählt der Augenarzt die zur Therapie geeigneten Materialeigenschaften und die für die Anpassung entscheidenden Parameter. Dabei ist u. a. auch zu berücksichtigen, ob der Patient zusätzlich antibiotische Augentropfen anwenden muss. Salben sind in Kombination mit therapeutischen Linsen nicht geeignet. Die Kontroll-Untersuchungen beginnen meist am Tag nach der Behandlung und setzen sich in kurzen Abständen bis zur endgültigen Heilung fort. Ein Verbandlinsenwechsel erfolgt spätestens nach vier Wochen.


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