Pressearchiv BVA 2006

Kontaktlinsen - Entwicklungshilfe für Kinder

13.05.2006

Weil sehen gelernt werden muss – etwa so wie laufen – spielen Kontaktlinsen im Leben fehlsichtiger Kinder oft eine weit wichtigere Rolle als bei Erwachsenen. Geradezu als Weichenstellung für den Lebenslauf erweist sich diese Art der Sehhilfe für ein Kind, das mit einem Grauen Star (einer Katarakt) auf die Welt kommt. Ist er einseitig, muss die getrübte Augenlinse sofort entfernt werden. Sind beide Augen betroffen, erfolgt die Operation innerhalb der ersten Wochen. Ohne Linse kann man nicht sehen lernen, darum passt der Augenarzt heute seinen kleinen Patienten anstelle der kranken Linse noch während des Eingriffs Kontaktlinsen an. Früher, als es die für Babys geeigneten Speziallinsen noch nicht gab, musste die Linsenlosigkeit (Aphakie) durch eine Brille ausgeglichen werden. Zum Sehenlernen im Säuglingsalter reicht jedoch die Brille meist nicht aus: Etwa zwei Drittel der so versorgten Kinder mussten später Sonder- oder Blindenschulen besuchen.

„Kinder, denen die Iris fehlt (Aniridie), bewahren Speziallinsen mit Iriszeichnung vor Hänseleien im Kindergarten und in der Schule. Außerdem bieten diese Linsen durch eine künstliche Blende sowohl Blendschutz als auch Sehverbesserung. Ebenso segensreich wirken sich Kontaktlinsen mit spezieller Iris-Prägung für Kinder aus, die eine entstellende Augapfelverletzung erlitten haben“, berichtet Dr. Christina Kienecker aus der Universitäts-Augenklinik Homburg/Saar. Nicht immer sind beide Augen von einer Fehlsichtigkeit gleich betroffen; oftmals bestehen große Unterschiede beim Grad der Kurzsichtigkeit (Myopie), der Übersichtigkeit (Hyperopie) oder der Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Es kann sogar sein, dass ein Auge übersichtig und das andere kurzsichtig ist.

Unterschiede der Brechwerte beider Augen (Anisometropie) werden als in Form und Größe unterschiedliche Bilder auf der Netzhaut wahrgenommen; es besteht eine Aniseikonie (ungleiche Bildgröße). Dazu Dr. Dorothea Kuhn, Riedlingen: „Geringere Anisometropien können zwar auch mit Brille korrigiert werden, jedoch ergibt die Kontaktlinsenversorgung immer die geringste Bildungleichheit. Erfolgt die Anpassung so früh wie möglich und als Vollkorrektur, entwickelt sich sowohl eine bessere Sehschärfe als auch eine bessere beidäugige Zusammenarbeit.“ Zum Ausgleich größerer Unterschiede ist eine Brille absolut ungeeignet; um störende Doppelbilder auszuschalten, würde ein Kind nur noch das bessere Auge nutzen. Das „kaltgestellte“ Auge übt nicht mehr, es kann keine brauchbare Sehschärfe entwickeln und das Kind bleibt zeitlebens funktionell einäugig (amblyop).

Wie groß die Gefahr ist, zeigt Frau Dr. Kienecker an einem Beispiel: Ein siebenjähriger Junge kommt zu ihr mit einer Augenverletzung; er war in einen Draht gelaufen. Hatte er ihn übersehen? Bei der Untersuchung stellt sich auf dem linken Auge eine Myopie von 6 Dioptrien heraus; er konnte also nicht gut räumlich sehen, was seinen Unfall miterklärt. Am Tag zuvor war er zur Einschulungsuntersuchung, aber seine Fehlsichtigkeit ist dabei nicht aufgefallen. Auch seine Eltern hatten nie etwas davon gemerkt und der Junge selbst war fest davon überzeugt, dass jeder Mensch ein gutes und ein schlechtes Auge hat. Das war für ihn normal. Sein Unfall erwies sich als großes Glück, denn nach der augenärztlichen Kontaktlinsenversorgung, war für ihn die Welt in Ordnung.

Nun sind es bei weitem nicht allein medizinische Gründe, die dafür sprechen, dass fehlsichtige Kinder Kontaktlinsen tragen. In jungen Jahren müssen sie ja außer Sehen noch viele andere Fähigkeiten entwickeln. Dabei kann die Brille sehr hinderlich sein. Die Folge ist oft, dass ein Kind mit Brille abseits steht, wenn die anderen toben, ihre Kräfte messen und beim Sport trainieren. Kinder empfinden ihre Kontaktlinsen als Verbündete, die ihnen ermöglichen, so wie alle anderen zu sein. Augenärzte sind immer wieder von ihren kleinen Patienten begeistert. Frau Dr. Kienecker: „Wenn ich ihnen genau gezeigt habe, wie’s funktioniert, gehen sie sehr sorgfältig und souverän mit ihren Linsen um und die meisten sind auch sehr gewissenhaft bei der täglichen Kontaktlinsen-Hygiene.“


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