Pressearchiv BVA 2006

Kontaktlinsen zu Schnäppchenpreisen - bequem im Versandhandel - Enttäuschung programmiert

13.05.2006

Noch nie war die Zahl derer, die innerhalb eines Jahres das Kontaktlinsentragen wieder aufgaben, so hoch wie heute. Und das, obwohl die Verträglichkeit der Linsenmaterialien in letzter Zeit enorm verbessert wurde, obwohl die breite Palette unterschiedlicher Systeme, Gestaltungsformen und Kombinationsmöglichkeiten praktisch Kontaktlinsen nach Maß ermöglichen, die ganz auf die individuelle Situation des Trägers abgestimmt werden können und obwohl die Kontaktlinsen- Hygiene heute hohe Sicherheit bei geringem Zeitaufwand bietet. Dank der Fortschritte der medizinischen Kontaktologie könnte nahezu jeder Fehlsichtige ein gutes Stück Lebensqualität dazu gewinnen, vor allem, wenn er einen aktiven Lebensstil anstrebt. Durch den Kauf im Versandhandel oder in der Drogerie ohne fachgerechte Anpassung und Kontrolle ist diese Chance leicht vertan – womöglich für immer.

Wie schnell bei leichtfertigem Umgang mit der Linse eine Unverträglichkeit entstehen kann, zeigt das Beispiel, von dem der Augenarzt Dr. Wolfgang Werner aus dem Ressort Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte berichtet: Vor gut einem Monat kam eine 20-jährige Patientin in die Praxis eines Kollegen und klagte über starke Schmerzen in beiden Augen. Die Untersuchung ergab neben einer erheblichen Verminderung der Sehschärfe krankhafte Gefäßeinsprossungen in die Hornhaut, einen starken Reizzustand im Bereich der Iris und weitere pathologische Veränderungen des Auges. Die junge Dame hatte Monatslinsen in der Filiale einer großen Drogeriekette gekauft, weil das Angebot „so günstig“ war. Von ihrer Schwester ließ sie sich zeigen, wie man die Linsen aufs Auge setzt. Aus Bequemlichkeit behielt sie die Linsen meist auch über Nacht auf den Augen. Gegen die dann ziemlich bald auftretenden Beschwerden holte sie sich verschiedene Augentropfen aus der Apotheke.

„Diese Patientin hat tatsächlich alle Fehler auf einmal begangen“, resümiert Dr. Werner. „Aber allein die falsche Bezugsquelle, nämlich Drogerie, Supermarkt oder Versandhandel, birgt ernste Gefahren. Die beste Kontaktlinse kann nur so gut sein, wie die „Software“, ohne die sie auf Dauer nicht funktioniert. Diese Software besteht in der präzisen Anpassung und regelmäßigen Kontrolle durch den Augenarzt, die u.a. auf dem aktuellen medizinischen Befund des Auges basiert. Weitere für die Wahl des Linsenmaterials und des Linsendesigns wichtige Werte sind neben den optischen Daten zur Korrektion der Fehlsichtigkeit auch die Wünsche und Anforderungen, die sich aus dem Lebensstil des Patienten ergeben. Ebenso wird das Hygiene-System auf diese individuellen Kontaktlinsen abgestimmt. Für Desinfektion, Neutralisierung und je nach Linsentyp auch Proteinentfernung stehen unzählige Varianten zur Verfügung. Entscheidend für die Verträglichkeit und die Lebensdauer der Linsen ist, dass Linsenmaterial und Hygiene-System kompatibel sind. Diese Beratung ist ebenfalls Teil der augenärztlichen Kontaktlinsen- Anpassung, die natürlich mit der Abgabe der Linsen nicht endet. Regelmäßige Nachuntersuchungen der Augen, insbesondere der Hornhaut, und Überprüfung der Linsen gehören zu den elementaren Sicherheitsmaßnahmen.“

Die Patientin mit den Linsen aus der Drogerie ist zum Glück mit dem Schrecken davon gekommen. Ihr Augenarzt konnte den Hornhautschaden durch eine längere Behandlung beheben. Und als sich auch die Gefäßeinsprossungen zurückgebildet hatten, bekam sie die für sie geeigneten Linsen. Dass sie sich jetzt gewissenhaft an alle augenärztlichen Empfehlungen hält, um unbeschwert die ersehnte Freiheit von der Brille zu genießen, versteht sich von selbst.

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