Pressearchiv BVA 2006

Endstadium Hornhautübertragung scheint jetzt vermeidbar - Neue Therapie stoppt fortschreitende Hornhautvorwölbung

13.05.2006

Keratokonus heißt die Augenkrankheit, die durch eine meist erblich bedingte, beidseitig auftretende Hornhautdegeneration hervorgerufen wird. Der Stoffwechsel der Hornhaut ist gestört. Die ersten Anzeichen treten bereits in der Jugend auf: schnell nachlassende Sehschärfe durch zunehmende Kurzsichtigkeit (Myopie) und später auch Stabsichtigkeit (Astigmatismus).In dem Maße, wie sich die Hornhaut kegelförmig vorwölbt, nimmt die Sehschärfe ab und gleichzeitig werden die Seheindrücke immer stärker verzerrt. Nur am Anfang der Krankheit kann eine Brille zu besserem Sehen verhelfen, aber die Gläserwirkung muss in kurzen Abständen ständig verstärkt werden. Die Möglichkeiten der Brillenkorrektion stoßen bei Keratokonus sehr schnell an ihre Grenzen, doch kann der Augenarzt mit speziell angefertigten Keratokonus-Kontaktlinsen seinen Patienten noch lange Zeit zu einer zufrieden stellenden Sehleistung verhelfen. Kommt die Krankheit jedoch nicht zum Stillstand, wächst die Vorwölbung weiter, bis die Hornhaut im Zentrum so dünn ist, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Bisher waren Arzt und Patient auf Hornhautspenden angewiesen; jetzt lässt sich der verhängnisvolle Prozess in den meisten Fällen rechtzeitig stoppen.

Fotochemische Therapie statt Transplantation

Die bahnbrechende Behandlungsmethode nennen die Augenärzte Corneales Cross Linking. Professor Dr. Markus Kohlhaas, Augenklinik des St.-Johannes-Hospital, Dortmund, erläutert das neue Verfahren: „Mit Riboflavin, einem B-Vitamin, und UVLicht lässt sich durch fotochemische Vernetzung der Hornhautfasern eine ganz wesentliche Verfestigung des gesamten Hornhautgewebes erreichen. Diese Stabilisierung verhindert das Fortschreiten des Keratokonus.“

Corneales Cross Linking bei Keratokonus erfolgt ambulant mit lokaler Betäubung. Nach Entfernung des Epithels (oberste Hornhautschicht) wird die Riboflavinlösung getropft. Sie schützt die Hornhaut u.a. vor Austrocknung. Die Bestrahlung selbst dauert insgesamt 30 Minuten und wirkt nur auf die Hornhaut, nicht im Augeninneren, sodass auch keine Gefahr für die Netzhaut besteht. Grundsätzlich ist die Behandlung frei von Nebenwirkungen. Infolge der erwünschten Veränderung der Hornhautkrümmung ändern sich nach einiger Zeit natürlich auch die optischen Daten der Kontaktlinsen, die der Augenarzt dann wieder individuell anpasst.

Aufgrund der geringen Stoffwechselaktivität der Hornhaut ist beim Cross Linkung mit einem langfristigen Effekt zu rechnen. In den ersten zwei bis drei Monaten sieht man noch eine leichte Hornhauttrübung, die dann aber völlig verschwindet, wogegen die verbesserte Hornhautstabilität und die bessere Sehschärfe von Dauer sind. Studien haben gezeigt, dass durch diese neue Therapie 80 Prozent aller Patienten eine Hornhauttransplantation erspart bleiben kann. Die erhebliche Kostenersparnis (Transplantationen und die jahrelange Nachbehandlung sind teuer) ist dabei ein erfreulicher Nebeneffekt.


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