Pressearchiv BVA 2006

Wenn Medikamente ins Auge gehen - Der Berufsverband der Augenärzte warnt vor gefährlichen Nebenwirkungen

Düsseldorf, den 11. Mai 2006 – Kopfschmerzen, Allergien oder grippale Infekte: Für fast jede Krankheit gibt es das passende Medikament, welches Linderung verspricht. Doch bei jeder Arznei, die wirksam ist, sind unerwünschte Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Die Arzneimittelhersteller fügen ihren Produkten deshalb sehr ausführliche Informationen in Form der Beipackzettel hinzu. Darin sind sie verpflichtet, auf alle jemals bekannt gewordenen Komplikationen hinzuweisen, auch wenn sie nur sehr selten auftreten. Schädigende Einflüsse auf das Auge sind relativ häufig aufgeführt. „Eine Vielzahl von Krankheiten – von Allergien bis Virusinfektionen – werden mit kortisonhaltigen Medikamenten behandelt. Erfolgt die Einnahme über längere Zeit, muss man mit einer Eintrübung der Augenlinsen und einer Erhöhung des Augeninnendruckes, dem Hauptrisikofaktors des Glaukoms, rechnen“, erklärt Prof. Holger Busse, Direktor der Universitätsaugenklinik in Münster und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Augenärzte e.V. Eine immer häufiger auftretende Augenerkrankung, die teils auf Umwelteinflüsse, wie z.B. stark klimatisierte Räume, zurückzuführen ist, aber auch auf die häufige Einnahme von Medikamenten, ist das trockene Auge. Hervorgerufen wird diese Erkrankung durch Tränenmangel oder ein gestörtes Gleichgewicht der Tränenfilmzusammensetzung. Zu den Medikamentengruppen, die Einfluss auf den Tränenfilm nehmen können, gehören Psychopharmaka, Blutdrucksenkende Mittel und Hormonpräparate zur Empfängnisverhütung. „Patienten, die regelmäßig solche Medikamente einnehmen, sollten einmal pro Jahr einen Augenarzt aufsuchen, um Spätfolgen am Auge zu verhindern“, sagt Dr. Uwe Kraffel, Erster Vorsitzender des BVA. Denn wie lange das Auge so einen Wirkstoff unbeschadet verträgt, und wann ein lokal wirksames Gegenmittel erforderlich ist, kann nur der Spezialist erkennen.

Die Dürre im Auge

Jeder Lidschlag fühlt sich an, als ob Sandkörner über die Hornhaut schleifen. Dies sind Anzeichen des trockenen Auges. Der prüfende Blick unter die Augenlider bleibt ergebnislos - keine Wimper, kein Fremdkörper. Obwohl Tränen fließen, werden Missempfindungen an den Augen registriert. Der Berufsverband der Augenärzte schätzt, dass jeder fünfte Patient einer Augenarztpraxis am "Trockenen Auge-Syndrom" leidet. „Die Beschwerden eines trockenen Auges sind oft sehr ausgeprägt und der gestörte Tränenfilm kann Ursache schwerwiegender Hornhautschäden sein. Vorbeugen kann man allerdings sehr wirksam mit Tränenersatzmitteln“, erklärt Prof. Busse. Doch stimmt die Qualität oder Quantität der Tränenflüssigkeit nicht, kann kein intakter Schutzfilm auf der Hornhaut entstehen. Hornhaut und Bindehaut trocknen aus. Die Folge: Die Lider gleiten nicht mehr reibungsfrei, die Augen brennen und es entsteht ein Fremdkörper- und Trockenheitsgefühl. „Wenn der Augenarzt eindeutig diagnostiziert, dass das „Trockene Auge-Syndrom“ durch die Einnahme von Wirkstoffen eines Medikamentes kommt, gilt es abzuwägen, ob der positive Effekt den negativen rechtfertigt oder ob das Medikament für die Gesundheit des Auges besser abgesetzt werden sollte“, sagt Prof. Busse.

Beipackzettel aufmerksam lesen

Der BVA hofft auf das steigende Gesundheitsbewusstsein und das lebhafte Interesse an medizinischen Zusammenhängen in der Bevölkerung. „Der Beipackzettel eines jeden Medikamentes sollte aufmerksam gelesen werden, auch wenn man das Medikament schon über einen längeren Zeitraum einnimmt“, sagt Prof. Busse. Gerade wenn ein Patient nicht sicher ist, ob er zu einer bestimmten Risikogruppe gehört, sollte er den Augenarzt aufsuchen, um so ernsthafte Erkrankungen am Auge zu vermeiden. Auch bei bereits geschädigten Sehnerven dürfen eine Reihe von Wirkstoffen, die in der Allgemeinmedizin sehr erfolgreich eingesetzt werden, nicht eingenommen werden. Dazu gehören beispielsweise chininhaltige Präparate, deren Anwendungsgebiete z.B. Malaria oder schwere grippale Infekte sind. Ebenso können bestimmte Antibiotika oder Tuberkulose-Mittel den Sehnerv angreifen. „Nur mit einer optimalen medizinischen Versorgung, sowohl durch den Allgemeinmediziner als auch durch den Augenarzt sind Nebenwirkungen am Auge kein Thema für den Patienten“, erklärt Prof. Busse.


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Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
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Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
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