Pressearchiv BVA 2007

Gut sehen - sicher fahren

DÜSSELDORF, 17.10.2007 – Der Berufsverband der Augenärzte setzt sich für Autonomie, Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr bis ins hohe Alter ein. Regelmäßige, umfassende Augenuntersuchungen helfen, das Sehvermögen zu erhalten und optimal zu nutzen.

Verkehrsteilnehmer müssen heutzutage immer mehr leisten, um den hohen Anforderungen im täglichen Straßenverkehr gewachsen zu sein: Schnellere Autos, immer mehr Menschen, Autos und andere Verkehrsmittel auf den Straßen und eine oft schwer überschaubare Anzahl an Schildern und Signalen erfordern eine hohe Konzentration und rasche Reaktionsfähigkeit. Die Fülle an Informationen, von denen ein großer Teil über die Augen wahrgenommen wird, stellt eine hohe Beanspruchung dar. Kommen im Herbst und Winter noch schlechte Lichtverhältnisse hinzu, dann wird es noch schwerer, die nötigen Informationen rechtzeitig wahrzunehmen und richtig zu reagieren.

Die Zahl der über sechzigjährigen Verkehrsteilnehmer nimmt ständig zu, schon heute gehört schätzungsweise jeder vierte Autofahrer dieser Gruppe an. Gerade für diese älteren Autofahrer stellen diese hohen Anforderungen im Straßenverkehr besonderen Stress dar. Insbesondere das Sehvermögen lässt bereits ab einem Alter von ca 40 Jahren nach. „Normalerweise wird dieser schleichende Prozess den Betroffenen zunächst nicht bewusst“, erläutert Dr. Uwe Kraffel, der 1. Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte. Viele spüren jedoch eine gewisse Verunsicherung im Straßenverkehr. Andererseits ist das Auto für die selbstbestimmte Lebensführung gerade älterer Menschen oft unverzichtbar, und so werden Bedenken mitunter verdrängt.

Eine Untersuchung der Universität Köln testet zur Zeit, ob eine eingeschränkte Fahrerlaubnis – beispielsweise nur im Wohnort oder nur tagsüber fahren – die Sicherheit Auto fahrender Senioren erhöhen kann. Solchen Auflagen gegenüber ist Dr. Kraffel skeptisch, weil sie nur schwer umzusetzen sind. Das Fahren bei Dunkelheit etwa lässt sich im Winter kaum vermeiden, will man nicht völlig auf das Auto verzichten. Und auch in einer vertrauten Umgebung kann plötzlich ein Kind auf die Straße laufen, gibt er zu bedenken: Kritische Situationen können immer wieder auftreten.

Hilfe vom Augenarzt

Eine frühzeitige Beratung beim Augenarzt kann helfen, festzustellen, welche Probleme beim Sehvermögen bestehen. Die gerade jetzt im Herbst vielfach angebotenen Sehtest-Aktionen greifen in den meisten Fällen zu kurz, da sie nur die Sehschärfe berücksichtigen und andere wichtige Parameter außen vor lassen. Der Augenarzt hingegen untersucht zunächst neben der Sehschärfe, der grundlegenden Sehfunktion für Verkehrsteilnehmer, auch das Gesichtsfeld, das für Autofahrer besonders wichtig ist. Das Dämmerungssehen, die Fähigkeit Kontraste wahrzunehmen, die Blendempfindlichkeit und das Farbensehen kann der Augenarzt ebenfalls testen. Wichtig ist, dass der Augenarzt zusätzlich das Auge untersucht und damit Augenkrankheiten ausschließt, die zu einer fortschreitenden oder auch einer zeitweisen Beeinträchtigung der Sehwahrnehmung führen. Anschließend bespricht er mit dem Patienten, welche Möglichkeiten bestehen. In den meisten Fällen kann der Augenarzt helfen.

Mit einer optimal abgestimmten Sehhilfe – Brille oder Kontaktlinse – gelingt in vielen Fällen die Orientierung im Straßenverkehr wieder sehr viel besser. Wenn Autofahrer Kontaktlinsen tragen, sollte immer eine Ersatzbrille im Handschuhfach liegen, rät Dr. Kraffel, für den Fall dass während der Fahrt Reizungen auftreten, die es notwendig machen, dass die Linsen herausgenommen werden. Das kann beispielsweise bei trockenen Augen der Fall sein. Ist eine Linsentrübung (Grauer Star oder Katarakt) die Ursache dafür, dass ein Autofahrer im Dunkeln nicht mehr gut sieht und sich leicht geblendet fühlt, dann kann eine Kataraktoperation mit Implantation einer speziellen Kunstlinse die Lösung sein.

Schlechtes Dämmerungssehen und hohe Blendempfindlichkeit können auch die Folge einer degenerativen Netzhauterkrankung sein. „Dann sollten die Betroffenen im Sinne der eigenen Sicherheit bei Dunkelheit das Auto stehen lassen“, plädiert Dr. Kraffel an den gesunden Menschenverstand. Der Augenarzt wird diese Empfehlungen mit dem Patienten besprechen. Da er selbstverständlich unter ärztlicher Schweigepflicht steht, wird er die Untersuchungsergebnisse ohne Einverständnis des Patienten nicht an Dritte weitergeben.

Der Berufsverband der Augenärzte rät Menschen im Alter über 40 Jahren alle fünf Jahre, Menschen im Alter über 60 Jahren alle zwei Jahre zur eingehenden Augenuntersuchung auf Fahrtauglichkeit, bei der Sehschärfe, Gesichtsfeld, Farbensehen, Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit getestet werden und das Auge untersucht wird. Diesen „Augen-TÜV“ fordert auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft. Ziel der gemeinsamen Bemühungen ist es, so Dr. Kraffel, „den Menschen so lange wie möglich so viel Mobilität und Autonomie wie möglich zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit aller Teilnehmer im Straßenverkehr zu erhöhen“.

Ein optimales Sehvermögen ist immer auch von der Umgebung abhängig. Autofahrer sollten darauf achten, dass ihre Scheinwerfer so eingestellt sind, dass sie andere nicht unnötig blenden. Und tagsüber trägt das Tagfahrlicht zu mehr Sicherheit bei, weil herannahende Fahrzeuge mit Licht leichter gesehen werden.


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Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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