Pressearchiv BVA 2007

Gefährliche Mogelpackung in 2.300 Schulen

Düsseldorf 6.9.2007 – Berufsverband der Augenärzte: „Tag des guten Sehens“ ist nichts anderes als Werbung für Brillen mit irreführenden medizinischen Argumenten.

Mit dem „Tag des guten Sehens“ startet das „Kuratorium gutes Sehen“ im Auftrag des ZVA (Zentralverband der Augenoptiker) heute eine Werbekampagne in 2.300 deutschen Schulen. Mit einem so genannten „Aktionspaket“, bestehend aus Bastelbögen, lustigen Wimmelbildern und Informationsbroschüren soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass schlechte Schulnoten im direkten Zusammenhang mit schlechtem Sehen stehen.

Mit großteils haarsträubenden augenmedizinischen Argumenten werden bei Eltern bewusst Ängste geschürt und umgehend die Lösung präsentiert: eine Brille. So wird z.B. Unlust beim Malen, Schreiben oder Feinarbeiten als Anzeichen für ein Sehproblem gewertet.

Hintergrund der aufwändigen Kampagne des Zentralverbands der Augenoptiker und ihrer PR-Organisation „Kuratorium gutes Sehen“ ist die Vorbereitung weiterer massenhafter „kostenloser Schulsehtests“ durch Optiker, wie sie bereits seit einiger Zeit – häufig in Zusammenarbeit mit Krankenkassen wie z.B. der KKH (Kaufmännische Krankenkasse Hannover) und der Barmer Ersatzkasse angeboten werden.

Dr. Uwe Kraffel, Vorstand des Berufsverbands der Augenärzte: „Es ist völlig legitim, dass die Brillenbranche neue Absatzmöglichkeiten sucht. Aber wie es erlaubt sein kann, dass hier tausende Schulen als Werbeplattform zum Brillenverkauf instrumentalisiert werden dürfen, bleibt ein Rätsel. Und warum gesetzliche Krankenkassen hier als Werbepartner agieren, muss auch noch geprüft werden.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlsichtigkeiten – vor allem Weitsichtigkeit (Übersichtigkeit) – vom Optiker nicht erkannt werden, ist sehr hoch, allein schon deshalb, weil der für den mobilen Sehtest verwendete Refraktometer überhaupt nicht dazu geeignet ist, alle Fehlsichtigkeiten im Kindesalter festzustellen. So sind Kinder in der Lage, selbst eine hochgradige Weitsichtigkeit von 8 oder gar 10 Dioptrien unbewusst auszugleichen, indem sie den Ziliarmuskel anspannen und so die Brechkraft der Linse entsprechend erhöhen. Sie „bestehen“ den Sehtest.

Noch verhängnisvoller ist, dass der oberflächliche Schulsehtest den Eltern eine falsche Sicherheit vermittelt, wenn ihr Kind „unauffällig“ war. Sie schließen daraus, dass mit den Augen ihres Kindes alles in Ordnung ist und glauben, damit sei auch die vorsorgliche Untersuchung durch den Augenarzt nicht mehr erforderlich. Refraktionsfehler sind aber immer zunächst als Symptom zu betrachten. Bevor sie durch Sehhilfen ausgeglichen werden können, muss eine Augenkrankheit ausgeschlossen werden.

Die weitaus häufigste Form der Fehlsichtigkeit bei Schulkindern ist die Kurzsichtigkeit. Neueste Erkenntnisse, die auf umfassenden internationalen Studien beruhen, weisen darauf hin, dass nur eine absolut präzise Korrektion ein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit günstig beeinflussen kann. Um Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, eine extrem hohe Kurzsichtigkeit zu entwickeln, ist die augenärztliche Sehschärfenbestimmung unverzichtbar. Während dieser problematischen Entwicklungsphase kann es notwendig sein, dass der Augenarzt von Zeit zu Zeit eine Augenuntersuchung unter Zykloplegie vornimmt, also die Aktivität der Ziliarmuskeln vorübergehend ausschaltet, um objektive Refraktionswerte zu erlangen. Optikern ist diese Untersuchung untersagt.


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