Pressearchiv BVA 2008

Sehnerv schützen - Glaukom ausbremsen.

DÜSSELDORF 27.11.2008 – Wissenschaftler und Augenärzte bekommen durch neue Forschungsergebnisse immer tiefere Einblicke in das Krankheitsbild des Glaukoms (Grüner Star). Mit verstärkter Aufklärung über diese Erkrankung des Sehnervs will der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands Patienten vor unnötiger Erblindung schützen.

Unwissen ist einer der größten Risikofaktoren, um wegen eines Glaukoms zu erblinden. Etwa 800.000 Menschen sind in Deutschland am Glaukom erkrankt, und die Dunkelziffer ist hoch, da viele Betroffene noch nichts von ihrer Krankheit bemerkt haben. Das Glaukom bezeichnet ein Gruppe verschiedener Krankheiten, die eines gemeinsam haben: Die Fasern des Sehnervs sterben langsam ab; schleichend, aber unwiederbringlich geht die Sehkraft verloren. Wenn der Betroffene selbst die Gesichtsfeldausfälle bemerkt, sind oft schon bis zu 90 Prozent der Nervenzellen zugrunde gegangen. Alle Behandlungen können die verlorenen Nervenfasern nicht mehr ersetzen oder wiederbeleben, sondern nur für den Erhalt der noch verbliebenen Nervenfasern sorgen. Eine erfolgreiche Therapie mit Erhalt der vollen Sehleistung ist möglich, aber dazu ist es notwendig, dass die Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Das Wissen über die Krankheitsprozesse am Sehnerv wächst beständig. Immer mehr lernen die Augenärzte darüber, weshalb die Nervenzellen nach und nach absterben. „Das Glaukom ist eine von vielen Faktoren beeinflusste Augenerkrankung“, erläutert Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitäts- Augenklinik Mainz und wissenschaftliches Mitglied im BVA-Vorstand. „Zu diesen Faktoren gehören die Durchblutung des Augenhintergrundes und der Augeninnendruck. Neueste Untersuchung weisen bei einer bestimmten Glaukomform, dem Normaldruckglaukom, auch auf die Bedeutung des Liquors hin – der Flüssigkeit, die alle Hohlräume des Zentralnervensystems ausfüllt.“

Immer differenzierter werden auch die Untersuchungsmöglichkeiten, mit denen sich schon sehr frühe Krankheitsstadien feststellen lassen. Das ist umso wichtiger, als die Behandlungsaussichten gerade in diesen frühen Stadien am besten sind. Die Erblindung lässt sich so vermeiden; wertvolle Sehkraft dauerhaft erhalten.

Die Untersuchung der Papille – der Stelle, an der der Sehnerv den Augapfel verlässt – an der Spaltlampe ist der wesentliche Bestandteil der Glaukomvorsorge beim Augenarzt. Mit seinem Spezialmikroskop kann der Augenarzt die Papille genau ansehen und so erkennen, ob ein Verdacht auf eine Glaukomerkrankung besteht.

Mit weiteren Untersuchungen klärt der Augenarzt dann ab, ob zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Dazu gehören die Augendruckmessung, die oft fälschlicher Weise mit Glaukomvorsorge gleichgesetzt wird, und gegebenenfalls die Messung der Hornhautdicke. Die Gesichtsfeldprüfung zeigt, ob bereits Gesichtsfeldausfälle aufgrund eines Glaukomschadens vorliegen. Moderne Verfahren wie die Analyse der Nervenfaserschicht, die Retinatomographie oder die optische Kohärenztomographie erlauben in bestimmten Fällen, mit hochauflösenden Bildern schon frühe Veränderungen am Sehnerv darzustellen. Vor allem eröffnen diese hightech- Methoden die Möglichkeit einer detaillierten Verlaufsbeobachtung, falls ein Patient tatsächlich am Glaukom erkrankt ist.

Da das Alter ein wichtiger Risikofaktor ist, empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte ab dem Alter von 40 Jahren alle zwei Jahre eine solche Glaukomvorsorge mit Untersuchung der Papille. Bisher scheiterten die Bemühungen der Augenärzte, diese sinnvolle Vorsorgeuntersuchung in den Katalog der Leistungen aufnehmen zu lassen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Nur wenn ein „begründeter Krankheitsbedacht“ besteht, wenn also Symptome vorliegen, ist die Untersuchung eine Kassenleistung. „Dann allerdings kommt die Vorsorge bereits zu spät“ gibt Prof. Pfeiffer zu bedenken: „Der Schaden am Sehnerv ist dann schon eingetreten und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.“


Downloads

PDF Version

Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

Zum Seitenanfang