Pressearchiv BVA 2008

Mit Schutzbrille zum Feuerwerk - Augenärzte raten zu Vorsicht an Sylvester.

Düsseldorf 12.11.2008 – Augenärzte raten zu Vorsicht an Sylvester.

Der Eislinger Augenarzt Dr. Michael Kienhöfer erinnert sich nur ungern an den Jahreswechsel 2007/2008: „Ich hatte nach Mitternacht zeitweise Szenen in der Praxis wie im Krieg, dabei waren auch einige sehr schlimme stumpfe Augenverletzungen, bei denen davon auszugehen ist, dass keine Heilung mehr möglich ist.“ In der Sylvesternacht werden augenärztliche Notdienste stets besonders intensiv in Anspruch genommen: Augenverletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper gefährden leider Jahr für Jahr das Augenlicht zahlreicher Menschen.

Umfrage an Augenkliniken

Eine nicht repräsentative Umfrage des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) bei Augenkliniken in Deutschland ergab zwar keine auffällige Häufung von Augenverletzungen in der vergangenen Sylvesternacht, belegt aber das „normale“ Ausmaß des Problems: Prof. Dr. Dr. Solon Thanos von der Universitäts-Augenklinik Münster beispielsweise meldete 47 Augenverletzungen zum Jahreswechsel, drei davon schwer: in einem Fall drang ein Fremdkörper in den Augapfel ein, bei zwei Patienten gab es eine schwere Prellung des Augapfels. Ähnliche Erfahrungsberichte liegen aus anderen Kliniken vor. 82 Patienten suchten die Universitäts-Augenklinik Erlangen über den Jahreswechsel auf, 15 davon kamen mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper. In zehn Fällen war „nur“ der vordere Augenabschnitt betroffen – Verletzungen an Hornhaut und Bindehaut. Fünf Patienten erlitten Prellungen, die sich auf den hinteren Augenabschnitt mit der Netzhaut auswirkten. „Bei diesen fünf Patienten muss mit einem dauerhaften, teils schwerwiegenden Sehschaden gerechnet werden“, fasst Prof. Dr. Anselm Jünemann zusammen. In Hamburg verlor ein Patient durch einen Knallkörper sogar ein Auge. Besonders tragisch ist es, dass immer wieder Kinder und Jugendliche betroffen sind. Stets gebe es auch noch einige Tage nach Sylvester schwere Verletzungen bei Kindern, hat Prof. Gisbert Richard vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beobachtet: Sie finden Knallkörper, die noch nicht explodiert sind, und gehen im Spiel nicht sachgerecht damit um.

Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung von Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper gibt es bisher nicht. Die Umfrage des BVA nahmen mehrere Augenkliniken zum Anlass für eine solche Studie, die dazu beitragen soll, die Versorgung der Patienten zu verbessern. Vor allem aber gilt es, Vorsorge zu treffen. Schon einfache Schutzmaßnahmen ermöglichen, dass augenärztliche Notdienste beim bevorstehenden Jahreswechsel weniger Verletzungen zu versorgen haben. Dass präventive Maßnahmen erfolgreich sind, zeigt ein Blick über die Grenze nach Dänemark, wie Privatdozent Dr. Wolfgang Schrader, Universitäts-Augenklinik Würzburg anmerkt: Vor rund 20 Jahren startete man dort eine Aufklärungskampagne im Fernsehen, die zu einem deutlichen Rückgang der Unfälle führte. „In Dänemark besteht ein Bewusstsein für das Verletzungsrisiko, was sich darin äußert, dass es durchaus selbstverständlich ist, Schutzbrillen beim Abfeuern von Sylvesterfeuerwerk zu tragen und auch die Hände zu schützen“.

Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper:
  • Schmauchverletzungen der Augenoberfläche
  • Fremdkörper in Horn- und Bindehaut
  • Prellungen des Augapfels (Contusio), zum Teil mit Auswirkungen auf den hinteren Augenabschnitt, z. B. Netzhautverletzungen mit dauerhaften, schwerwiegenden Sehschäden.
  • Perforation des Augapfels
  • Verlust des Augapfels
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
  • Schutzbrillen: Wer sich mit Feuerwerkskörpern für Sylvester eindeckt, sollte für alle Partygäste Schutzbrillen besorgen. Sie bestehen aus transparentem Kunststoff und decken die Augen rundum ab. Auch wer als reiner Zuschauer im Freien das Feuerwerk anschauen will, sollte sich schützen, wie ein Beispiel aus der Frankfurter Universitäts-Augenklinik zeigt: Die Stange und Hülle einer abgebrannten Rakete trafen das Auge eines Unbeteiligten, der mit weit zurückgelehntem Kopf nach oben schaute. Immer wieder ist auch zu beobachten, dass beispielsweise Kanonenschläge inmitten einer Zuschauergruppe explodieren – auch hier ist es sinnvoll, sich zu schützen.
  • Nur geprüfte Feuerwerkskörper verwenden: Beim Kauf sollte man auf die Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) achten – nur wenn diese Prüfnummer vorliegt, ist das Feuerwerk in Deutschland zugelassen. Fehlt diese Nummer, sind die Produkte in der Sicherheit ihrer Handhabung schwer einzuschätzen. Von illegalen Importen oder gar selbst gebastelten Knallern kann nur abgeraten werden!
  • Kühl und trocken lagern: Bis zu ihrem Einsatz sollten alle Knaller, Raketen etc. an einem sicheren, für Kinder nicht zugänglichen Ort gelagert werden. Riskant ist es, Knaller in der Kleidung, etwa in der Hosentasche zu tragen.
  • Gebrauchsanleitung genau befolgen: Die Hinweise zur Handhabung dienen der eigenen Sicherheit! Raketen beispielsweise dürfen nur aus standsicheren Flaschen oder einem Rohr senkrecht nach oben gestartet werden. Knallkörper wie etwa Kanonenschläge müssen auf dem Boden gezündet werden, nach dem Anzünden sollten alle Umstehenden einen Mindestabstand halten.
  • „Blindgänger“ unschädlich machen: Nicht explodierte Knallkörper sollte man einige Minuten liegen lassen und dann mit Wasser übergießen, damit sie nicht später noch Schaden anrichten können. Anschließend sollten sie sachgerecht entsorgt werden, so dass spielende Kinder sie nicht finden können.
  • Alkohol aus dem Spiel lassen: Für das Anzünden des Feuerwerks sollte derjenige erwachsene Partygast zuständig sein, der am wenigsten alkoholisiert ist – er wird die mit dem Feuerwerk verbundenen Risiken am besten berücksichtigen. Gelingt es nicht, stark Alkoholisierte vom Feuerwerken abzuhalten, kann man nur noch Schutz suchen, möglichst in geschlossenen Räumen.

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Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
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Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
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