Pressearchiv BVA 2008

Damit Ihr Kind sicher sehen lernt: - Augenerkrankungen bei Babys und Kleinkindern - und was Augenärzte dagegen tun können.

Düsseldorf 9.07.2008 – Etwa 41.000 Kinder eines Jahrgangs in Deutschland laufen Gefahr aufgrund von Sehstörungen ihr Leben lang auf einem Auge schwachsichtig zu bleiben. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. In den allermeisten Fällen können Augenärzte aber wirksam eingreifen, vorausgesetzt die Behandlung setzt früh genug ein. Während der Woche des Sehens vom 9. bis 15. Oktober informieren Augenärzte in ganz Deutschland über das Thema.

Zu den Augenerkrankungen, die schon bei Neugeborenen oder bei Babys die Entwicklung des Sehvermögens behindern, gehören die angeborene Trübung der Augenlinse (Katarakt oder Grauer Star) oder selten auch mal der angeborene Grüne Star (Glaukom) mit einer gefährlichen Entwicklung für die Sehkraft. „Häufiger jedoch ist die Netzhauterkrankung bei Frühgeborenen, die je nach Unreife des Babys unterschiedlich ausgeprägt sein kann“, erklärt Privatdozentin Dr. Dietlind Friedrich, Sprecherin des Ressorts Strabismus im Berufsverband der Augenärzte (BVA). „Hier stehen heute bei rechtzeitiger Entdeckung moderne Behandlungsmethoden zur Verfügung, die das Augenlicht des Kindes schützen.“

Aufmerksame Eltern sehen oft selbst, wenn mit den Augen ihres Kindes etwas nicht in Ordnung ist: Der Graue Star ist erkennbar an einer grauweißen Pupille, bei Glaukom sind die Augen des Kindes oft auffällig groß. Bei beiden Erkrankungen kann das Augenlicht meist mit Operationen gerettet werden. Ist die Katarakt mit rund 230 Fällen pro Jahr noch eine relativ häufige Erkrankung, so kommt das gefährliche Retinoblastom sehr viel seltener vor. Dieser bösartige Tumor, der unbehandelt zum Tode führt, tritt mit einer Häufigkeit von etwa 46 Fällen pro Jahr in Deutschland auf – etwa eines von 15.000 Kindern ist davon betroffen. Das Retinoblastom kann nur von Augenärzten rechtzeitig erkannt werden und hat bei sofortigem Behandlungsbeginn mittlerweile eine recht gute Aussicht auf Heilung.

Ein hängendes Lid oder ein das Auge verdeckender Blutschwamm sind weitere Stolpersteine im Prozess des Sehen Lernens, die Augenärzte wirksam behandeln können – wenn sie rechtzeitig aktiv werden können.

Die häufigsten Ursachen für eine Sehschwäche sind jedoch Schielen und Fehlsichtigkeit. Letztere ist vor allem dann kritisch, wenn zwischen der Brechkraft beider Augen große Unterschiede bestehen. Dann liefern die Augen dem Gehirn sehr unterschiedliche Bilder, die nicht zu einem gemeinsamen Seheindruck verarbeitet werden können. In der Folge unterdrückt das Gehirn das Bild des schwächeren Auges – die Leitung wird nach und nach „abgeschaltet“.

Augenärzte können das in den meisten Fällen verhindern, indem sie zunächst die zugrunde liegende Erkrankung behandeln. Fehlstellungen der Augen können mit Augenmuskeloperationen ausgeglichen werden, Refraktionsfehler lassen sich mit Brillen oder Kontaktlinsen ausgleichen. Die Amblyopiebehandlung, bei der dann für eine bestimmte Zeit und in einem bestimmten Rhythmus das „stärkere“ Auge abgedeckt wird, sorgt dafür, dass auch das schwächere Auge „online“ bleibt und seine Seheindrücke vom Gehirn verarbeitet werden.

Diese Behandlung ist um so erfolgreicher, je früher sie einsetzt. Denn das Sehvermögen entwickelt sich während der besonders kritischen und empfindlichen Phase der Sehentwicklung, der so genannten sensitiven Phase. In den ersten Lebensjahren sind deshalb die Chancen am besten, eine beginnende Sehschwäche auszugleichen.

Damit die Behandlung frühzeitig einsetzen kann, sollten alle Kinder spätestens im Alter von dreieinhalb Jahren augenärztlich untersucht werden, rät der Berufsverband der Augenärzte. Falls in der Familie bereits Fälle von Augenerkrankungen oder Fehlsichtigkeit bekannt sind, ist es sinnvoll, das Kind schon im Alter von sechs bis neun Monaten in der augenärztlichen Praxis vorzustellen. Und wenn sich Verdachtsmomente ergeben – grauweiße Pupillen, Augenzittern, ein hängendes Lid, Schielen, Lichtscheu – dann sollten die Eltern nicht zögern, sofort einen Termin zu vereinbaren, unabhängig vom Alter des Babys. Als Spezialisten für Kinderaugen können die Augenärzte sie beruhigen, wenn kein Anlass zur Sorge besteht, und sie werden, falls nötig, eine Behandlung einleiten. So lässt sich sicherstellen, dass das Kind ohne unnötige Beeinträchtigungen eine möglichst hohe Sehkraft erlangt.

Woche des Sehens: Kinderblindheit verstehen und verhüten

Die Woche des Sehens vom 9. bis 15. Oktober 2008 (www.woche-des-sehens.de), eine gemeinsame Aktion des BVA, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der Christoffel-Blindenmission, des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e.V., des Deutsches Komitees zur Verhütung von Blindheit e.V., des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. und des Hilfswerks der deutschen Lions e.V., befasst sich in diesem Jahr ebenfalls mit diesem Thema. Zahlreiche Aktionen greifen bundesweit das Motto „Kinderblindheit verstehen und verhüten“ auf.


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Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
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Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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