Pressearchiv BVA 2009

Augenärztliche Grundversorgung am Ende - Augenärzte wollen auch Kassenpatienten gut betreuen.

DÜSSELDORF 5.03.2009 – Die vollmundigen Versprechungen hatten sich schon im ersten Quartal 2009 als Mogelpackungen erwiesen: Gesundheitspolitiker, Krankenkassen und kassenärztliche Vereinigungen hatten endlich eine adäquate Honorierung der augenärztlichen Grundversorgung versprochen, doch das Gegenteil trat ein. Angesichts von nicht einmal 10 Euro, die die Krankenkassen pro Jahr für die augenmedizinische Versorgung eines Versicherten aufbringen, sagt Prof. Dr. Bernd Bertram, 1. Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands: „Die gesetzlichen Krankenkassen wollen sich anscheinend aus der augenärztlichen Grundversorgung weitgehend verabschieden. Das ist ein Skandal!“

„Unter den derzeitigen Honorarbedingungen ist die moderne, nicht operative Augenheilkunde am Ende“, protestiert Prof. Bertram: „Aus der gesetzlichen Krankenversicherung werden pro Versichertem und Jahr weniger als 10 Euro für die ambulante, nicht operative Augenheilkunde bezahlt, insgesamt sind das weniger als 700 Millionen Euro. Für Sehhilfen geben die Bundesbürger mit über 3,5 Milliarden Euro den fünffachen Betrag aus.“ 4,5% der niedergelassenen Ärzte sind Augenärzte, doch sie erhalten lediglich 0,5% der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen.

Viele Menschen sehen die Augen als ihr wertvollstes Sinnesorgan an. Blindheit ist ein schlimmes Schicksal, das die Betroffenen in ihrer Lebensführung extrem beeinträchtigt und das für die Gesellschaft immense Folgekosten nach sich zieht. Die häufigsten Ursachen für Blindheit oder erhebliche Sehminderung sind in Deutschland die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), der Grüne Star (Glaukom), der Graue Star (Katarakt) und diabetesbedingte Netzhautschäden. Bei all diesen Krankheiten können Augenärzte den Patienten helfen und das Schicksal der Blindheit verhindern oder das Sehvermögen zumindest doch für viele Jahre erhalten. Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose und eine zuverlässige Betreuung durch den Augenarzt. Die Mehrzahl der Patienten in Augenarztpraxen sucht diese zu Screening, Diagnostik oder Therapie dieser vier Krankheiten auf.

In Deutschland behandeln derzeit rund 5500 Vertragsaugenärzte etwa 29 Millionen Versicherte pro Jahr. Augenarztpraxen und Augenkliniken beschäftigen rund 40.000 Menschen. Die Alterung der Gesellschaft sorgt dafür, dass die Augenärzte immer mehr benötigt werden, denn viele Augenerkrankungen treten im höheren Alter häufiger auf. Mit erfreulich vielen Innovationen hat sich die Augenheilkunde den Herausforderungen gestellt. Doch angesichts der aktuellen Entwicklung der Honorare ist eine von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Behandlung durch den Augenarzt, die auch nur die Note „befriedigend“ verdient, nicht mehr möglich. Praxisschließungen und die Entlassung von Mitarbeitern sind bereits heute an der Tagesordnung.

Prof. Bertram: „Durch das finanzielle Aushungern der augenärztlichen Facharztpraxen verabschieden sich die Gesetzlichen Krankenkassen aus der augenärztlichen Versorgung immer weiter. Wollen Krankenkassen und kassenärztliche Vereinigungen etwa, dass unsere augenkranken Patienten demnächst ihre Behandlung selbst zahlen, so wie es jetzt schon bei den Brillen der Erwachsenen, bei den Vorsorgeuntersuchungen und vielen neuen Untersuchungen in der Augenheilkunde ist? Eine Gesellschaft, die über 3000 Millionen Euro für 10 Millionen Brillen pro Jahr zahlt, müsste doch bereit sein, über die Krankenkassen für die hochwertige Grundversorgung von 29 Millionen Augenarztpatienten deutlich mehr als 700 Millionen Euro zu zahlen.“

Der BVA fordert, dass die augenärztliche Grundversorgung endlich adäquat honoriert wird, damit allen Versicherten der Gesetzlichen Krankenkassen auch weiterhin eine hochwertige augenärztliche Versorgung angeboten werden kann.


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presse(at)augeninfo.de,
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