Pressearchiv BVA 2009

Mehr sehen – besser behandeln. - Diagnostik in der Augenheilkunde immer ausgefeilter

DÜSSELDORF 9.06.2009 – Der diagnostische Blick ins Auge wird dank moderner Computertechnik immer detaillierter. Die Patienten profitieren davon, weil die Augenärzte dank der modernen Untersuchungsmethoden auch die Behandlung immer besser individuell abstimmen können.

Mit geschultem Blick durch den seit 150 Jahren bewährten Augenspiegel erkennen Augenärzte wichtige Anzeichen für Augenkrankheiten. Mit dem Augenspiegel leitet der Augenarzt Licht ins Auge, so dass er die Netzhaut mit der Makula (der Stelle des schärfsten Sehens) und den Sehnervenkopf untersuchen kann. Dieser diagnostische Einblick, der auf winzige Blutgefäße nirgends sonst im menschlichen Körper so direkt möglich ist, wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch technische Innovationen immer weiter verfeinert. Augenerkrankungen wie Glaukom (Grüner Star), Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und diabetische Netzhauterkrankung, die die drei wichtigsten Erblindungsursachen in Deutschland sind, lassen sich so schon in sehr frühen Stadien erkennen. Sie erlauben es außerdem, den Krankheitsverlauf genau zu dokumentieren. Die Behandlung kann so optimal auf den individuellen Fall abgestimmt werden.

Beispiele: Retinatomographie und optische Kohärenztomographie

Bei all diesen Verfahren entstehen Aufnahmen, die verschiedene Strukturen am Augenhintergrund besonders gut sichtbar machen. Für die Retinatomographie beispielsweise tastet ein schwacher Laserstrahl den Sehnervenkopf ab, die Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt. So entstehen dreidimensionale Bilder des Sehnervenkopfes, die schon ganz früh erkennen lassen, ob ein Glaukomschaden vorliegt. Für die Verlaufskontrolle eines Glaukoms sind solche Aufnahmen sehr wertvoll – die Untersuchungsergebnisse geben Aufschluss darüber, ob die bisherige Behandlung erfolgreich ist oder ob sie angepasst werden muss.

Die optische Kohärenztomographie (OCT) nutzt Licht zur Entfernungsmessung. Diese Technik hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Sie liefert heute Bilder von einzelnen Zellschichten der Netzhaut, die eine Auflösung von nur fünf Mikrometern (fünf tausendstel Millimetern) erreichen – ohne den Patienten zu berühren. Darstellungen von einer solchen Qualität sind bisher nur nach Gewebeentnahme unter dem Mikroskop möglich. Auch mit dieser Technik lässt sich der Verlauf des Glaukoms kontrollieren. Aber insbesondere in der Behandlung der aggressiven feuchten Form der AMD ist die OCT von großer Bedeutung. Die feuchte AMD kann mit Injektionen von Medikamenten ins Auge erfolgreich behandelt werden. Für die Beantwortung der Frage, wann eine erneute Injektion nötig ist, um das Sehvermögen zu erhalten, sind OCT-Aufnahmen den Augenärzten eine wertvolle Hilfe.

„Neueste Techniken erlauben es sogar, die verschiedenen Verfahren zu kombinieren und die Ergebnisse in Beziehung zueinander zu setzen“, erläutert Priv.Doz. Dr. med. Andrea Hassenstein vom Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg: „In der Zukunft wird man sich die verschiedenen Befunde in ein dreidimensionales Modell des Auges hineinprojizieren. Der Augenarzt wird für jeden einzelnen Patienten die für seine Krankheit aussagekräftigsten Verfahren kombinieren. Darauf aufbauend wird er die individuell optimale Behandlungsstrategie entwickeln.“

Diese innovativen und teuren Untersuchungsmethoden stehen den Patienten in zahlreichen Augenarztpraxen bereits jetzt zur Verfügung. Vielfach schließen sich Augenärzte auch in Apparategemeinschaften zusammen, um die Verfahren ihren Patienten zugänglich zu machen. Allerdings befinden sich Augenärzte in dem Dilemma, dass sie diese innovativen Untersuchungsmethoden ihren Patienten entweder nur als Selbstzahlerleistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen) anbieten können oder sie ihnen vorenthalten müssen, kritisiert Prof. Dr. med. Bernd Bertram, der erste Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands: „Seit mehr als zehn Jahren sind in der augenärztlichen Versorgung abgesehen von innovativen Medikamenten so gut wie keine neuen Leistungen mehr in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen worden.“ Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Gemeinsame Bundesausschuss haben die Hürden für neue Leistungen so hoch angesetzt, dass neuartige diagnostische Verfahren sie nicht erfüllen können.


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