Pressemitteilung

15.02.2011

Wenn die Welt weniger bunt ist

Gar nicht so selten: Farbschwächen

DÜSSELDORF 15.02.2011 – Mitunter fällt es schon im Kindergarten auf: Gebeten, den roten Buntstift weiterzureichen, greifen manche Kinder, vor allem Jungen, schon mal zu einer anderen Farbe. Sie leiden an einer Farbschwäche (Dyschromatopsie), die gar nicht so selten ist.

 Am weitesten verbreitet ist die Rot-Grün-Schwäche, von der etwa 8% aller Männer und 0,4% der Frauen betroffen sind, erläutern Prof. Dr. med. Herbert Jägle und Prof. Dr. med. Hermann Krastel vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Farbschwächen sind meistens angeboren, doch auch Krankheiten oder Medikamentennebenwirkungen können das Farbensehen beeinträchtigen. So leidet bei Makula-Erkrankungen wie dem diabetesbedingten Makulaödem auch das Farbensehen. „Bei den genetisch bedingten Farbschwächen fehlt den Betroffenen entweder einer von drei für das Farbensehen zuständigen Zapfentypen oder zwei Zapfentypen sind sich so ähnlich, dass das Sehsystem ihre Signale kaum unterscheiden kann“ erläutern Prof. Krastel und Prof. Jägle. Im Rot-Gelb-Grün-Bereich nehmen die Betroffenen Farben anders wahr, und sie können weniger Farbtöne unterscheiden. Die Sehschärfe ist jedoch normal.

Totale Farbenblindheit ist selten

Eine totale Farbenblindheit, die so genannte Achromatopsie, ist dagegen sehr viel seltener, erläutert Prof. Krastel: „Erst unter rund 100.000 Menschen ist ein Betroffener zu finden. Diese Patienten leiden auch unter stark herabgesetzter Sehschärfe und starker Blendung.“ Die Ursachen für diese echte Farbenblindheit sind andere als bei Rot-Grün-Störungen, doch auch sie sind genetisch bedingt: „Immerhin sind schon mehrere der für Achromatopsie verantwortlichen Gene bekannt“, so Prof. Jägle, Experte für Farbensehen.

Keine Behandlungsmöglichkeiten

Bisher gibt es keine Möglichkeiten, die angeborenen Farbschwächen zu behandeln. Vor einiger Zeit wurde jedoch von Tierversuchen an Totenkopfaffen berichtet, die nach einer Gentherapie Farben besser unterscheiden konnten (veröffentlicht in der Zeitschrift Nature, doi:10.1038/nature08401). So vielversprechend das Behandlungsprinzip ist – vom Einsatz in der Augenarztpraxis ist dieser Ansatz noch sehr weit entfernt, betonen Prof. Jägle und Prof. Krastel. Wissenschaftlich fundierte Studien mit farbschwachen Menschen wären die Voraussetzung für die Zulassung der Therapie, außerdem eine sorgfältige Bewertung von Risiken und Nutzen.

Augenärzte beraten

Umso wichtiger ist die fachärztliche Beratung über die Auswirkungen der Farbschwäche – vor allem auf die Berufswahl. Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind an einer Farbschwäche leidet, kann ein Besuch beim Augenarzt Klarheit schaffen. Er kann das Farbensehen mit gezielten, kindgerechten Tests prüfen. In vielen Augenarztpraxen steht ein Anomaloskop zur Verfügung, mit dem sich bewerten lässt, wie ausgeprägt eine Farbschwäche ist. Die Untersuchung, die bereits im späten Kindergartenalter oder im frühen Grundschulalter möglich ist, ist allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
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