Pressemitteilung

03.07.2012

Wenn der Nachbar nicht mehr grüßt

„Blinde Flecken“ im Gesichtsfeld

DÜSSELDORF 03.07.2012 – Wenn der Herr Müller von nebenan morgens zielstrebig zur Bushaltestelle geht, ohne dabei die Nachbarn auf der Straße zu grüßen, dann ist er nicht unbedingt in Eile oder arrogant. Möglicherweise leidet er – vielleicht sogar ohne sich dessen bewusst zu sein – an einer Augenkrankheit, die das Gesichtsfeld beeinträchtigt.

Verschiedene Augenkrankheiten wirken sich ganz unterschiedlich auf das Sehvermögen aus. Den Betroffenen selbst fallen die meist schleichenden Veränderungen – solange sie nicht das zentrale Gesichtsfeld betreffen – häufig gar nicht auf. Sehen ist ein komplexer Vorgang, bei dem das Gehirn die Informationen, die es vom Auge erhält zu einem kompletten Bild zusammensetzt. Diese Informationsverarbeitung funktioniert so gut, dass Fehler lange Zeit kompensiert werden. Treten beispielsweise infolge eines Glaukoms (Grüner Star) an einem Auge „blinde Flecken“ im Gesichtsfeld auf, wird der Ausfall einerseits oft durch das zweite Auge wett gemacht. Andererseits ergänzt das Gehirn fehlende Informationen, indem es aus den vorhandenen Seheindrücken „hochrechnet“ wie das Bild dort aussehen müsste, wo tatsächlich Information fehlt. So entsteht der trügerische Eindruck eines vollständigen Bildes. Ein Objekt, das sich von der Seite nähert, kann dann plötzlich „wie aus dem Nichts“ im zentralen Gesichtsfeld auftauchen.

Die häufigsten Ursachen für Sehbehinderung und Blindheit

Das Glaukom, die Altersabhängige Makuladegeneration und die Diabetische Netzhauterkrankung sind in Deutschland die häufigsten Ursachen für Sehbehinderung und Blindheit. Rechtzeitig erkannt, lassen sich diese Krankheiten heute in vielen Fällen gut behandeln, so dass das noch vorhandene Sehvermögen erhalten bleibt. Wenn jedoch im fortgeschrittenen Stadium eine Sehbehinderung eintritt, dann kann sie ganz unterschiedliche Ausprägungen haben.

Glaukom

Das Glaukom bezeichnet eine Gruppe von Augenkrankheiten, bei denen die Fasern des Sehnervs nach und nach absterben. Zunächst kommt es am Rand des Gesichtsfelds zu Ausfällen, die der Patient selbst in der Regel lange Zeit nicht bemerkt. Dass man den Nachbarn, der vom Straßenrand aus winkte, nicht bemerkte oder dass man im Restaurant über den Schirmständer stolpert, bringt kaum jemanden auf die Idee, dass mit den Augen etwas nicht stimmt. Erst wenn schon ein großer Teil des Sehnervs unwiederbringlich zerstört ist und sich das Gesichtsfeld immer weiter einengt, fallen die Symptome auf. Mit einer Früherkennungsuntersuchung, die einen Sehnerven-Check in Kombination mit der Messung des Augeninnendrucks, möglicherweise noch weitere Untersuchungen umfasst, kann der Augenarzt die Diagnose schon stellen, bevor die Sehkraft leidet, und dann mit Augentropfen, Lasereingriffen oder einer Operation wirksam den Sehverlust verhindern. Da das Glaukom mit zunehmendem Alter häufiger auftritt, empfehlen Augenärzte die Früherkennung allen Menschen ab 40 Jahren, bei familiärer Veranlagung schon früher.

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Bei dieser Krankheit, die heute in den Industrieländern die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen ist, sterben nach und nach die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhautmitte an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) ab. Die Betroffenen sehen in der Mitte ihres Gesichtsfeldes einen grauen Fleck. Lesen, Gesichter erkennen etc., werden dann unmöglich, die Orientierung im Raum gelingt jedoch weiterhin. Gegen die langsam fortschreitende trockene Form der AMD gibt es noch keine wirksame Therapie, doch mit einer vitaminreichen Ernährung und in bestimmten Fällen mit Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich vorbeugen oder das Fortschreiten verlangsamen. Die deutlich aggressivere feuchte Form der AMD, von der etwa 15 Prozent der Patienten betroffen sind, kann heute mit Medikamentengaben ins Augeninnere wirksam behandelt werden. Deshalb ist auch hier eine Früherkennungsuntersuchung hilfreich, die Augenärzte ab dem Alter von 60 Jahren empfehlen.

Diabetische Netzhauterkrankung

Die Zuckerkrankheit schädigt die feinen Blutgefäße im Auge, deshalb gehört die diabetische Netzhauterkrankung zu einer der häufigsten Folgekrankheiten des Diabetes. Die Schäden können die Randbereiche der Netzhaut betreffen und werden dann lange nicht wahrgenommen, sie können aber auch die Netzhautmitte betreffen. Welche Beeinträchtigungen die Patienten erleben, ist individuell sehr unterschiedlich. Eine konsequente Kontrolle der Blutzucker- und Blutdruckwerte verhindert meist, dass Schäden überhaupt auftreten. Mit einer Laserbehandlung oder mit Medikamentengaben ins Auge können Augenärzte wenn nötig das Sehvermögen Diabetiker erhalten oder sogar wieder verbessern. Diabetiker sollten daher unbedingt mindestens einmal pro Jahr vom Augenarzt untersucht werden.

Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2012

Möglichkeiten der Früherkennung von Augenkrankheiten sind ein Schwerpunkt bei der Woche des Sehens 2012. Sie findet vom 8. bis 15. Oktober 2012 statt. „Wir sehen uns!“ lautet das diesjährige Thema. Seit dem Jahr 2002 hebt die Woche des Sehens mit vielfältigen Aktionen bundesweit die Bedeutung guten Sehvermögens hervor und klärt über die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern auf. Schirmherrin der Aktionswoche ist auch in diesem Jahr die Fernsehjournalistin Gundula Gause. Getragen wird die Aufklärungskampagne von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch. www.woche-des-sehens.de


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
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