Pressemitteilung

12.04.2010

Was will ich wie scharf sehen?

Das Sehvermögen lässt sich an individuelle Bedürfnisse anpassen

DÜSSELDORF 12.04.2010 – Brillen, Kontaktlinsen und Augenoperationen sind erprobte Mittel, um Sehfehler auszugleichen. Dabei können Augenärzte heute die individuellen Bedürfnisse des Patienten immer besser berücksichtigen. Doch nicht alles, was geht, ist auch unbedingt wünschenswert.

Die Refraktion des Auges (= erforderliche Brillenglasstärke) weicht nur allzu oft vom Idealwert („Null“ = keine Brille) ab. Kurzsichtige sehen in der Nähe gut, benötigen für die Ferne aber eine Sehhilfe. Bei manchen Menschen sorgt zusätzlich eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) dafür, dass alles unscharf erscheint. Junge Übersichtige sehen zwar zunächst in Ferne und Nähe gut, ab dem Alter von etwa 40 Jahren kommt dann aber wie bei jedem Menschen die Alterssichtigkeit hinzu. Das Auge verliert allmählich die Fähigkeit, sich auf verschiedene Entfernungen einzustellen (= Abnahme der Akkommodationsfähigkeit). Das Sehen in der Nähe geht nur noch mit Brille. Es gibt bisher kein Verfahren, optimales Sehen im Alter über etwa 40 Jahren ohne Brille zu garantieren, es gibt aber Kompromissmöglichkeiten.

Punktgenaue Korrektur

Brille oder Kontaktlinsen sind bewährte Hilfsmittel, die Sehfehler zuverlässig und punktgenau ausgleichen können. Die für die meisten beste Möglichkeit, gutes Sehen in allen Entfernungen bei nachlassender Akkommodationsfähigkeit zu erreichen, ist dabei eine Gleitsichtbrille. Wenn Jüngere – vor allem Kurzsichtige – aber keine Brille mögen und Kontaktlinsen vielleicht nicht vertragen, können ihnen Augenärzte mit der refraktiven Laserchirurgie oder mit der Implantation von Kunstlinsen ins Auge oft zu gutem Sehen ohne Brille verhelfen. Das bedeutet aber immer, dass dann etwa ab 40 Jahren doch eine Lesebrille nötig wird wegen der Abnahme der Akkommodationsfähigkeit.

Steht im Alter wegen eines Grauen Stars ohnehin der Austausch der körpereigenen Linse gegen ein Implantat an, dann können die Chirurgen auch einen Sehfehler fast punktgenau ausgleichen. Hierzu muss man aber wissen, dass bei hohen Anforderungen an Sehschärfe und Kontrast der Ausgleich nur für Ferne oder Nähe möglich ist und eine Fern- oder eine Nahbrille unumgänglich sind. Als Kompromiss gibt es aber Möglichkeiten, mit nur geringen Einbußen an Sehschärfe oder Kontrast auch nach einer Star-Operation weitgehend ohne Brille leben zu können. Die Möglichkeiten muss man mit seinem Augenarzt besprechen.

Augenärzte verbinden die Messung der Refraktion stets mit einer gründlichen Untersuchung des Auges und prüfen, ob Anzeichen für Krankheiten wie Diabetes, Netzhauterkrankungen oder Glaukom zu erkennen sind.

Beratung nimmt an Bedeutung zu

„Das Beratungsgespräch mit dem Patienten gewinnt dabei mehr und mehr an Bedeutung, um festzustellen, welche Anforderungen die Patienten an ihr Sehvermögen stellen“, erläutert Prof. Dr. Dieter Friedburg vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands: „Steht die Arbeit am Computer im Vordergrund? Ist das Autofahren bei Tag und Nacht wichtig? Will man auch im Alter alles ohne Brille machen können? Ist man hierfür zu einem Kompromiss hinsichtlich der besten Sehschärfe, des Kontrastes oder der Blendempfindlichkeit bereit? Nimmt man das – wenn auch geringe – Risiko der operativen Eingriffe zur Erfüllung seines Wunsches wirklich in Kauf?“

Zu berücksichtigen ist immer auch die Ausgangssituation. Bei manchen Patienten kommt es vor, dass beide Augen sehr unterschiedlich sind – beispielsweise das eine weit- und das andere kurzsichtig. Die Korrektur solcher Anisometropien sollte sehr behutsam erfolgen. Denn wenn das Gehirn einmal gelernt hat, so unterschiedliche Bilder zu verarbeiten, dann bereitet die Korrektur auf „Normalnull“ mitunter erhebliche Probleme. Dies gilt auch umgekehrt: Die Idee, operativ ein Auge für die Ferne, das andere für die Nähe zu korrigieren (als „Monovision“ bekannt) und so keine Brille zu benötigen, hat bei einigen Patienten schon zu dauernden Doppelbildern oder Kopfschmerzen geführt, muss also zunächst mittels Kontaktlinsen für einige Zeit getestet werden. Das Beratungsgespräch mit dem Augenarzt ist also von hoher Bedeutung und sollte unbedingt ausreichend wahrgenommen werden, wobei festzuhalten ist, dass auch die Augenärzte, die nicht selbst operieren, fachkundig sind.

Vom 8. bis 15. Oktober 2010 findet die neunte Woche des Sehens unter dem Motto „Augen im Blickpunkt“ statt 


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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