Pressemitteilung

22.05.2014

Mit einem Auge doppelt sehen

„Keratokonus“ ist mit augenärztlichem Sachverstand in den Griff zu bekommen

DÜSSELDORF 22.05.2014 – Doppelt sehen mit einem Auge – geht das überhaupt? Bei einer relativ seltenen Hornhauterkrankung ist das tatsächlich ein mögliches Symptom, erklärt Prof. Dr. Gerd Geerling vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands: „Die Rede ist vom ,Keratokonus‘, einer krankhaften Vorwölbung und Ausdünnung der Hornhaut. Etwa 40.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen.“

Meistens beginnt die Krankheit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, besonders häufig trifft es Männer: Immer wieder verändert sich die Brechkraft des Auges, so dass die eventuell schon vorhandene Brille nicht mehr hilft. Die Betroffenen sehen beispielsweise beim Lesen „Schatten“ an den Buchstaben oder sehen Objekte mit dem betroffenen Auge sogar doppelt.

Ursache unbekannt

Was die Krankheit verursacht, ist bis heute nicht bekannt. Meist betrifft sie zunächst nur ein Auge, nach einiger Zeit aber häufig auch das zweite. Die Diagnose stellen Augenärzte mit Hilfe der Hornhaut-Topographie. Dabei wird mit einer Spezialkamera eine „Höhenkarte“ der Hornhaut erstellt. Hinzu kommt die Messung der Hornhautdicke, die Pachymetrie, und die Untersuchung mit dem Spaltlampenmikroskop auf Veränderungen und Trübungen in der Hornhaut. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Vorwölbung der Hornhaut allerdings auch mit bloßem Auge zu erkennen, wenn man den Betroffenen von der Seite her ansieht. Der Keratokonus entwickelt sich in Schüben; je nachdem, wie ausgeprägt er ist, stehen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Brille – Kontaktlinsen – Hornhautvernetzung – Hornhauttransplantation

„Im Anfangsstadium lässt sich der durch die Vorwölbung verursachte Sehfehler durch eine Brille korrigieren“, erläutert Geerling. Schreitet die Krankheit fort, sind formstabile Kontaktlinsen oder gegebenenfalls spezielle „Keratokonuslinsen“ das Mittel der Wahl. Den meisten Patienten bieten Kontaktlinsen ihr Leben lang ein gutes Sehvermögen. „Soll in bestimmten Stadien das Fortschreiten der Krankheit gebremst werden, steht ein modernes Verfahren, das seit gut zehn Jahren in der Augenheilkunde eingesetzt wird, zur Verfügung. Es sorgt für eine biochemische Stabilisierung der Hornhaut.“ Geerling spricht hier vom „Corneal Cross-Linking“, bei dem der Wirkstoff Riboflavin auf die Hornhaut gegeben wird, die anschließend mit UVA-Licht bestrahlt wird. In der Folge verbinden sich die Riboflavin-Moleküle mit den Kollagenfibrillen der Hornhaut und die Hornhaut wird stabilisiert. In weit fortgeschrittenen Fällen kann es notwendig sein, die ausgedünnte Hornhaut durch ein Transplantat zu ersetzen.

Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2014

Patienten mit Keratokonus bieten augenärztliche Diagnose und Behandlung also gute Aussichten auf den Erhalt eines guten Sehvermögens. "Gute Aussichten" - so heißt auch das Thema der diesjährigen Woche des Sehens unter der Schirmherrschaft der Fernsehjournalistin Gundula Gause. Blindheit zu verstehen und zu verhüten sind die Ziele der bundesweiten Kampagne. Getragen wird sie von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Seit 2002 informiert  die Aktionswoche mit Hilfe vielfältiger Veranstaltungen über die Bedeutung guten Sehvermögens und klärt über die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und den Entwicklungsländern auf. Unterstützt wird sie dabei von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG. www.woche-des-sehens.de

 


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

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