Pressemitteilung

28.06.2010

Kann „Genreparatur“ das Augenlicht retten?

Erste Erfolge bei ererbter Krankheit der Netzhaut

DÜSSELDORF 28.06.2010 – Gentherapie gibt Sehvermögen zurück: Mit dieser Schlagzeile wurde die Augenheilkunde vor Kurzem einmal mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht als hochinnovatives Gebiet der modernen Medizin.

Forscher und Erkrankte versprechen sich viel von der Gentherapie. Allerdings gelangen bisher nur bei wenigen Krankheiten wirkliche Durchbrüche. Zu einem solchen Durchbruch ist es jetzt in der Augenheilkunde gekommen. Augenärzte konnten bei Patienten mit Leberscher kongenitaler Amaurose durch Gentherapie das Sehvermögen bessern. Dabei handelt es sich um eine sehr schwere aber zum Glück auch sehr seltene angeborene Erkrankung, für die es bisher keine Behandlungsmöglichkeit gab.

Seltener Gendefekt führt zur Erblindung

In Deutschland werden im Jahr schätzungsweise weniger als zehn Babys geboren, die von dieser Erkrankung betroffen sind. Die Kinder haben schon von Geburt an oder ab den ersten Lebensjahren eine sehr schlechte Sehschärfe. Die meisten erblinden vollständig. Ursache ist ein Gendefekt, der sich an den Netzhautsinneszellen und den sie umgebenden Schichten auswirkt. Im Rahmen einer Studie in Philadelphia, USA, erhielten zwölf Patienten genetisches Material direkt ins Auge injiziert. Das Sehvermögen verbesserte sich für die Betroffenen merklich. Vor allem sehr junge Patienten profitierten von der Behandlung, deren Erfolg auch noch nach zwei Jahren anhielt. Dieser Erfolg weckt die Hoffnung, andere Erkrankungen, bei denen man eine genetische Ursache kennt oder vermutet, ebenfalls erfolgreich behandeln zu können.

Mit anderen Augenkrankheiten noch nicht so weit

„Diese Ergebnisse sind außerordentlich erfreulich, wenn auch nur sehr wenige Patienten davon profitieren können“, urteilt Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitäts-Augenklinik Mainz und Vorstandsmitglied im Berufsverband der Augenärzte. „Beim Glaukom, auch Grüner Star genannt, von dem in Deutschland etwa eine Million Menschen betroffen sind, sind wir leider noch nicht so weit.“

Glaukom: Viele Gene am Krankheitsgeschehen beteiligt

„Beim Glaukom spielen ganz viele verschiedene Gene eine Rolle“, erläutert Prof. Pfeiffer. „Bisher ist noch nicht absehbar, wann es gelingen wird, die entscheidenden Gene zu identifizieren, und ob deren Reparatur „die Glaukomerkrankung stoppen kann. Die Lebersche Kongenitale Amaurose eignete sich gerade deshalb für eine Gentherapie, weil die Anzahl der Gene, welche die Krankheit auslösen können, gut bekannt und nur sehr klein ist. Es ist zu wünschen, dass auch in Deutschland auf diesem Gebiet bald weitere Fortschritte gemacht werden“, so Prof. Pfeiffer.


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

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