Pressemitteilung

08.10.2014

Interview mit Prof. Dr. Hans Hoerauf

Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2014

(Sprechtext/Moderation normal, O-Töne Prof. Hoerauf kursiv)

Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland sind oder waren mit der Diagnose Grauer Star konfrontiert. Viele davon können rechtzeitig und gut behandelt werden, so dass kaum Sehbehinderungen entstehen. Bei geschätzt mehr als einer Million Deutschen aber sieht das anders aus. Netzhautschädigungen, Grüner Star oder diabetesbedingte Sehbehinderungen nehmen zu, weil die Menschen immer älter werden. Der wichtigste Aspekt: es müsste nicht zu Sehbehinderungen oder gar Blindheit kommen. Denn wirksame Therapien wären da… wenn nur die Patienten rechtzeitig kämen.Oder wie heißt es im Kinderspiel so schön:

„Ich sehe was, was Du nicht siehst“.

Professor Hans Hoerauf, Direktor der Universitäts-Augenklinik Göttingen, meint das aber ganz wörtlich. Er sieht Krankheiten, lange bevor der Patient etwas merkt:

„Paradebeispiel ist das Glaukom, also der Grüne Star, wo sich schon Veränderungen bemerkbar machen, am Sehnerv, von denen der Patient erst mal überhaupt nichts bemerkt.“

So zum Beispiel bei einem kurzsichtigen Patienten, der eigentlich „nur“ eine Netzhautveränderung überprüfen lassen wollte. Prof. Hoerauf entdeckte dann aber ein beginnendes Glaukom:

„Da habe ich dann erst mal den Augeninnendruck eingestellt und mich erst mal auf die Behandlung des Glaukoms konzentriert, weil das bedrohlicher war für den Patienten, einen Schaden zu erleiden im Blick aufVerschlechterung des Gesichtsfeldsund konnte mich dann in zweiter Linie der weniger dringlichen Netzhautveränderung zuwenden.“

Professor Hoerauf ist mit Leib und Seele Augenarzt. Er sieht die Fortschritte, die die Medizin gemacht hat und weiter machen wird. Nur ein Beispiel bei der Behandlung des Glaukoms, also des Grünen Stars:

„Die Augeninnendrucksenkung durch Augentropfen ist immer noch das Mittel der ersten Wahl, auch wenn Patienten manchmal ganz schön durch die verschiedenen Augentropfen genervt sind und das natürlich mühseliger ist. Aber es ist in der Tat so, dass wir immer mehr konservierungsmittelfreie Augeninnendruck senkende Tropfen bekommen, verträglichere Tropfen, die der Patient besser toleriert.“

Faszinierend sind auch Implantate, die bei bestimmten Netzhauterkrankungen schon erblindeten Patienten helfen:

„Das, was man heute erreichen kann mit sogenannten Chips, die man entweder auf oder unter die Netzhaut implantiert: dass Gegenstände erkennen, erkennen von bestimmten Lebenssituationen, dass das für die Patienten machbar ist.“

Das Fazit des Mediziners der Universitäts-Augenklinik Göttingen:Eine rechtzeitige Diagnose vorausgesetzt können viele Ursachen für Sehbehinderung oder Blindheit wirksam behandelt werden. Die Makuladegeneration, AMD, zum Beispiel war früher eine unheilbare Krankheit, heute ist sie behandelbar:

„Wenn man Patienten in einem sehr frühen Stadium einer Makuladegeneration entdeckt – und da kommt die Früherkennung wieder ins Spiel – kann man das zum Stillstand bringen. Insofern ist so eine Vorsorgeuntersuchung, insbesondere der Netzhaut bei weiter Pupille augenärztlich immer sinnvoll und anzuraten.“

Nicht alles, aber vieles ist also möglich in der Augenmedizin. Die Menschen müssen nur rechtzeitig kommen, rät der Augenspezialist aus Göttingen:

„Ich denke, man sollte wirklich ab dem 40. Lebensjahr auf jeden Fall so alle drei bis vier Jahre Augenhintergrund komplett untersuchen lassen. Weil man weiß, ab dann spielt der Grüne Star eine Rolle. Und ab dem 60. Lebensjahr würde man das Intervall auf zwei Jahre verringern.“

Fragen Sie einfach Ihren Augenarzt. Eine Vorsorgeuntersuchung ist nicht teuer. Ihre Augen sollten es Ihnen wert sein.


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

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Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
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