Pressemitteilung

02.06.2012

Geschwächte Hornhaut vernetzen

Behandlungsmöglichkeiten bei Keratokonus

WIESBADEN 2.06.2012 – Immer wieder verändert sich die Brechkraft des Auges, die Betroffenen sehen „Schatten“ an Buchstaben und Gegenständen oder sie sehen Objekte mit dem betroffenen Auge doppelt: „Keratokonus“ nennen Augenärzte die krankhafte Vorwölbung und Ausdünnung der Hornhaut (Kornea), die in Deutschland rund 40.000 Patienten betrifft. Beim Kontaktlinsenkongress des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) am 2. und 3. Juni 2012 in Wiesbaden erläutert Dr. med. Matthias Elling, Universitäts-Augenklinik Bochum, moderne Behandlungsmethoden, mit denen sich die Hornhaut bei Keratokonus stabilisieren lässt.

Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen; meistens beginnt die Krankheit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr: Zunächst auf einem Auge, später meist aber auch auf dem Partnerauge setzt die kegelartige Verformung der Hornhaut ein. Sie bringt ausgeprägte Sehfehler mit sich und verläuft in Schüben. Zur Feststellung eines Keratokonus eignet sich die Hornhaut-Topographie, bei der mit einer Spezialkamera eine „Höhenkarte“ der Hornhaut erstellt wird. Wichtige Informationen liefert zudem die Hornhaut-Dickenmessung, die Pachymetrie.

Für viele Patienten sind die Brille oder auch formstabile Kontaktlinsen eine Möglichkeit, um die Fehlsichtigkeit auszugleichen. „Ziel der Behandlung ist es aber, die Stabilität der Hornhaut zu stärken“, macht Dr. Elling klar. Gute Erfahrungen haben Keratokonus-Patienten mit einem modernen Verfahren, dem „Corneal Cross-Linking“ gemacht. Es wird seit etwa zehn Jahren in der Augenheilkunde eingesetzt und sorgt für eine biochemische Stabilisierung der Hornhaut.

Für die Behandlung wird Riboflavin, ein Vitamin aus dem B-Komplex, auf die Hornhaut gegeben. Anschließend bestrahlt der Augenarzt die Hornhaut mit UVA-Licht. Dadurch werden die Riboflavin-Moleküle instabil und verbinden sich mit Kollagenfibrillen der Hornhaut. So entstehen „Brücken“ zwischen den Kollagenfibrillen, die die Hornhaut stabilisieren. „Die Patienten haben bei stringenter Einhaltung der Ausschlusskriterien nahezu keine Nebenwirkungen zu befürchten“, betont Dr. Elling: Aufgrund der eigens entwickelten Anwendungstechnik wurden in Bochum in den letzten vier Jahren weder eine Infektion nach der Behandlung noch eine Trübung der Hornhaut oder gar der Augenlinse beobachtet. „Eine vielversprechende Methode“, so sein Fazit, deren Anwendung bisher allerdings in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird.

Zu dieser Pressemitteilung finden Sie eine Abbildung in unserer Bilddatenbank.

 

Bildlegende: Beim Corneal Cross Linking wird die Hornhaut mit Hilfe von Riboflavin und UV-Licht stabilisiert.

 


Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf

Pressekontakt:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA),
Pressereferat: Dr. med. Georg Eckert,
Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf,
Tel. +49 (0) 2 11 / 4303700,
Fax +49 (0) 2 11 / 4303720,
presse(at)augeninfo.de,
www.augeninfo.de

Zum Seitenanfang