Lidrandentzündung (Blepharitis)

Rote Augen sind ein Warnsymptom. Brennen, Kratzen und Reibegefühl oft in Begleitung schwankender Sehschärfe sind lästige Begleiter des Beschwerdebildes. Während fast jeder Mensch irgend wann im Leben von einer Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien betroffen ist, die nach wenigen Tagen mit oder auch ohne Behandlung abklingt, ist die Blepharitis ein Dauerzustand.

Abseits der sozialen, funktionellen oder kosmetischen Beeinträchtigung äußern Betroffene oft die Sorge, von einem resistenten Erreger infiziert zu sein. Nicht selten entsteht der Eindruck, daß ein Zusammenhang mit einem bestimmten Auslöser hergestellt werden kann (Infekt, Verletzung, Kontakt etc.). Eine kurze Besserung durch die Anwendung von Antibiotika, Kortisontropfen oder sogenannten „Weißmachern“ erscheint den Betroffenen als Beweis für dieses Erklärungsmodell. Hier liegt der Irrtum.

Beim Blick in den Spiegel sehen wir Zeichen einer Entzündung und spüren deren Symptome. Die Ursachen und Zusammenhänge bleiben uns jedoch verborgen. Rötung, Jucken, Reibegefühl oder Schmerzen und verklebte Augen sind die gemeinsame Endstrecke fast jeder Augenreizung. Sehen wir das häufig, dann ist es sinnvoll das Puzzle zusammenzufügen. Das erfordert einen Überblick und Detektivarbeit.

Wichtige Teile des Puzzles sind Haut- und Haar-Typ, Medikamente, Hormone, Tränenfilm, Schilddrüsenwerte, Vorerkrankungen, Kosmetika, Kontaktallergien, Rauchen, Raumluft, Kontaktlinsen, Rheuma, Diabetes und Hauterkrankungen. Zusammen mit dem Mikroskopbild der Lidkante und dem Zustand des Tränenfilms bei der Augenuntersuchung.

Ursächlich für das Geschehen an der Augenoberfläche sind Fette an der Lidkante aus den Meibom-Drüsen. Ungünstige Fettzusammensetzungen werden von der schützenden Hautflora verstoffwechselt und in reizende Substanzen zerlegt. Je mehr Fett an der Lidkante, um so mehr Reizsubstanzen entstehen. Hier kann man sinnvoll eingreifen, anstatt lediglich durch Antibiotika die Hautflora aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die Lösung besteht in der täglichen, sanften und hautschonenden Lidhygiene ohne Chemie, Konservierungsstoffe oder irritierende Seifen. Da die Lidkante Haut ist, sogar ein sehr besonderer Hauttyp, zeigen sich Erfolge nur durch Regelmäßigkeit und frühestens nach 4 Wochen. Reizende Naturstoffe wie Kamille sollten vermieden werden, Cremes mit Wollwachs können Beschwerden machen und Kosmetika sind zumindest vorrübergehend wegzulassen. Einmal täglich ist eine Wärmeanwendung hilfreich.

Wird die Pflege verlassen oder unterbrochen, kehr die Haut in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Daher sollte eine Lidpflege einfach, praktikabel und zeitsparend sein, damit sie im Alltag machbar wird.

Lernen wir uns kennen: selbst eineiige Zwillinge sind nicht identisch. Definieren wir ein Ziel: von Angstfreiheit über Zurechtkommen, bis hin zum perfekten weißen Auge wie in der Werbung – je nach Aufwand, den wir betreiben möchten und innerhalb der Grenzen unserer Konstitution. Was sind Puzzelteile, wie verhält sich die Lidkante?

Der Erfolg ist individuell verschieden: weniger Gerstenkörner (LINK Hordeolum), besserer Tränenfilm (LINK trockenes Auge), die Vorbeugung einer Hornhautentzündung (LINK Keratitis). Der sparsame Einsatz von Antibiotika vermeidet Resistenzen, Nebenwirkungen und befreit von der Angst, an einer chronischen und ansteckenden Augenerkrankung zu leiden.